Pastor Thomas Hirschberg: "Ich war bei so vielen Menschen zu Gast"

Nachricht Ihlienworth, Odisheim, Steinau, 22. Dezember 2025

Pastor Thomas Hirschberg schmunzelt, wenn er auf die vergangenen Jahre im Sietland zurückblickt. Mit einem Augenzwinkern erzählt er: „Ich habe das Ganze doch ziemlich unbeschadet überstanden. Ich war bei so vielen Menschen zu Gast – und immer war der Tisch gedeckt, so oder so oder so. Und das geht ja nicht immer spurlos an einem vorbei.“

Herzenswarme Wertschätzung für die Menschen

Dieses kleine Schmunzeln sagt viel über den heute 66-Jährigen: selbstironisch, aufmerksam, mit einer herzenswarmen Wertschätzung für die Menschen, denen er begegnet ist. Und nun, nach 3.912 Tagen im Amt – genau genommen sogar ein paar Tage mehr, denn seine Arbeit mit den Kirchenvorständen begann bereits 2014 – tritt Hirschberg am 31. Dezember 2025 seinen Ruhestand an. Doch für den hochgewachsenen Gottesmann zählen weniger die Zahlen als die Geschichten, die Verbindungen, die Begegnungen, die sein Wirken geprägt haben.

Schon zu Beginn seiner Zeit in Ihlienworth, Odisheim und Steinau war klar: Veränderungen standen an. Das Pfarrhaus in Ihlienworth wurde nicht vom neuen Pastor bewohnt – eine Entscheidung, die vielen Menschen zunächst fremd war. Doch schnell zeigte sich, dass das Sietland widerstandsfähig ist, kreativ und hilfsbereit. Hirschberg erinnert sich an einen Satz, der ihn durch all die Jahre begleitete: „Wir schaffen das.“

"Kirche ist eine menschliche Veranstaltung"

Und tatsächlich: Zusammen haben die Gemeinden viel bewegt. Neue Menschen wurden willkommen geheißen, Gemeindehäuser saniert, ehrenamtliche Leitungen gefunden, Feste gefeiert. Große Ereignisse, kleine Sorgen – alles wurde gemeinsam getragen. „Kirche ist eine menschliche Veranstaltung. Natürlich mit einer Leitidee. Aber vielleicht ist das ja gerade die, dass man zeigt, wie auch aus dem nicht Perfekten etwas werden kann“, sagt Hirschberg.

Drei Gemeinden wuchsen zum Netzwerk zusammen

In zehn Jahren wuchs aus drei einzelnen Gemeinden ein Netzwerk, das heute eng miteinander verbunden ist. Konfirmationskurse wurden zusammengelegt, Friedhöfe koordiniert, Pfarrbüros vernetzt. Die Kirchenvorstände tauschten sich intensiv aus. „Wir schaffen das“ – das wurde hier zum Credo, zum Wir-Gefühl.

"Erfolg – kleine Veränderungen im Alltag"

Natürlich bleiben Baustellen: Die Orgelsanierung in Steinau ist noch nicht abgeschlossen. Aber Hirschberg misst Erfolg nicht an vollendeten Projekten, sondern an den kleinen Veränderungen im Alltag. „Erfolg klingt nach ,endgültig'", sagt er, "aber so ist es im Leben ja nicht. Wir ändern die Welt – und da hat sich hier schon was getan."

Hirschbergs Arbeit ging über das Sietland hinaus: Seit 2024 betreute er zusammen mit Susanne Trebbin die Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Sloka in Lettland. Begegnungen, zuletzt auf dem Kirchentag in Hannover, zeigten eindrucksvoll, dass Kirche nicht Einheit im Denken bedeutet, sondern vielmehr gemeinsame Absicht: Zukunft für alle gestalten.
Zum Abschied dankt Thomas Hirschberg von Herzen all jenen, die Kirche lebendig halten: Menschen, die Zeit, Geld und Ideen geben, die Neues wagen und auch Fehler zulassen. „Werfen Sie Ihre Kirchenmitgliedschaft nicht ins Korn. Kirche lebt auch durch Sie“, appelliert der 66-Jährige.
Und der Blick nach vorne? Ganz bestimmt kein Stillstand. Für Hirschberg beginnt ein neuer Lebensabschnitt, ein Statuswechsel, den er mit vielen Ideen, schöpferischer Energie und Neugier auf das angehen wird, was da noch kommt. Von Gott, der einen in die Welt schickt, wird man bei seinem Abschied am 31. Dezember singen.

Abschiedsgottesdienst wird in Steinau gefeiert

Dieser Gottesdienst war zuerst in der St.-Jobst-Kirche in Odisheim geplant. „Inzwischen haben aber so viele angekündigt, mit dabei zu sein, dass wir uns entschlossen haben, nach Steinau in die St. Johannes-Kirche zu wechseln“, sagt der scheidende Pastor. Dort beginnt der Gottesdienst um 15.30 Uhr.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln