Zu Beginn meines Religionsunterrichts stelle ich meinen Schülerinnen und Schülern oft eine einfache Frage, die sie zunächst verwirrt: „Welche Frage will Religion eigentlich beantworten?“ Bei Mathe fällt ihnen die Antwort leicht, doch bei Religion?
Religion ist keine mathematische Gleichung. Sie will Antworten auf die Fragen geben, die keine einfachen Lösungen haben. Es geht darum, was uns trägt – im Leben wie im Sterben, was uns tröstet, wenn unser Dasein nicht nur von Aufbruch und Erneuerung, sondern auch von Abschied und Ende geprägt ist.
Leben wächst, indem es vergeht.
Jesus greift dieses Bild auf, wenn er vom Weizenkorn spricht, das in die Erde fällt und stirbt, um Frucht zu bringen (Joh 12,24). Leben wächst, indem es vergeht. Jesu eigener Weg macht dies besonders deutlich: Wie das Weizenkorn muss auch er sterben. Dem Aufbruch folgt das Ende, und die Jünger erleben: Jesus, dem sie hoffnungsvoll gefolgt waren und für den sie alles aufgegeben hatten, geht nun den gleichen Weg wie wir alle.
Aus dem Ende erwächst ein neuer Anfang
Doch zugleich zeigt sich, dass aus dem Ende Jesu ein neuer Anfang erwächst. Heute nennen wir das „Auferstehung“ – gemeint ist eine grundlegende menschliche Einsicht: das Wunder des Lebens, das durch den Tod hindurch wächst, eine Hoffnung, die sich gegen Resignation auflehnt.
Dietrich Bonhoeffer und das langsam gewonnene Vertrauen
Ein anschauliches Beispiel – wenn auch in einer persönlichen Grenzsituation – ist Dietrich Bonhoeffer. Kurz vor Kriegsende auf Hitlers Befehl hingerichtet, verabschiedete er sich von seinem Freund Payne Best mit den Worten: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“ Kein heroischer Satz, sondern sein leises, langsam gewonnenes Vertrauen in Gottes neue Welt, die durch das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu sichtbar geworden ist.
Eine weitreichende Hoffnungsgemeinschaft ist entstanden
Vielleicht ist das der Kern des Glaubens: nicht alle Antworten zu besitzen, sondern Vertrauen zu finden. Glauben heißt dann vertrauen können, dass mein Leben mehr ist als Erfolg oder Scheitern; dass in jedem Ende ein neuer Anfang verborgen liegt. Mein Leben wird von einem Gott getragen, der aus dem Tod des jüdischen Rabbi Jesus eine weltweite Hoffnungsgemeinschaft entstehen ließ. Eine Gemeinschaft, die Gottes neue Welt auch durch die Brüche des Lebens hindurch erahnt. Eine Gemeinschaft, die glaubt, dass in jedem Ende ein Anfang verborgen ist.
Mitten im Aufhören den Beginn des Lebens entdecken
Unser Leben ist ein „Unterwegssein“, durch Brüche hindurch. Gerade darin liegt seine Würde. Unser Leben trägt die Hoffnung, dass aus jedem Ende ein neuer Anfang erwächst. Mitten im Aufhören, mitten im Ende, den Beginn des Lebens zu entdecken – das ist mein Wunsch für ein vertrauensvolles – man könnte sagen, christliches – Leben.
Dr. Lutz Meyer, Pastor
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