Manchmal braucht es gar keinen großen Plan, um sich auf den Weg zu machen. Manchmal reicht ein guter Schuh, ein bisschen Neugier und die Frage: „Wo geht es eigentlich hin?“ Vielleicht ist genau deshalb das Pilgern in unserer Zeit wieder so beliebt geworden. Manche sagen sogar: Pilgern ist das neue Wandern. Nur dass beim Pilgern nicht nur die Landschaft zählt, sondern auch der Weg nach innen.
"Nicht nur eine Figur aus längst vergangenen Zeiten"
Heute, am 25. Juli, ist der Tag des heiligen Jakobus (der Ältere). Als Pastorin der Kirchengemeinde St. Jacobi in Lüdingworth freue ich mich besonders über diesen Tag – denn unsere Kirche trägt seinen Namen und erinnert an ihn. Der heilige Jakobus ist nicht nur eine Figur aus längst vergangenen Zeiten. In unserer Kirche ist er sichtbar: als Pilger mit Stab, Tasche und der berühmten Muschel. Ein Mann, der unterwegs ist.
Die St.-Jacobi-Kirche war früher selbst eine Pilgerkirche
Und genau das ist die besondere Verbindung: Die St.-Jacobi-Kirche war früher selbst eine Pilgerkirche. Menschen kamen hier vorbei, machten Halt, beteten, sammelten neue Kraft und zogen weiter. Kirchen waren damals nicht nur Orte, an denen man am Sonntag eine Stunde verbrachte. Sie waren Rastplätze für die Seele – mitten auf dem Lebensweg.
"Sich selbst wieder ein Stück näherkommen"
Heute erleben wir etwas Erstaunliches: Viele Menschen schnüren wieder ihre Wanderschuhe und machen sich auf den Weg. Auf den Jakobswegen durch Europa, aber auch auf vielen anderen Pilgerwegen. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Kilometer zu schaffen. Es geht um Begegnungen, um Stille, um Fragen und manchmal auch darum, sich selbst wieder ein Stück näherzukommen.
"Offenbar sucht der Mensch immer wieder den Weg"
Der heilige Jakobus hätte vermutlich gestaunt, wie modern sein Weg geworden ist. Vielleicht hätte er sich auch gewundert, dass Menschen heute freiwillig mit Rucksack und Blasen an den Füßen unterwegs sind – wo man doch eigentlich auch bequem zu Hause auf dem Sofa sitzen könnte. Aber offenbar sucht der Mensch immer wieder den Weg: zu anderen Menschen, zu Gott und zu sich selbst.
"Und vielleicht, weil Gott nicht nur am Ziel auf uns wartet..."
Eine alte Pilgerweisheit sagt: Der Weg verändert den Menschen. Vielleicht, weil wir beim Gehen merken, was wirklich wichtig ist. Vielleicht, weil wir lernen, dass nicht jeder Schritt perfekt sein muss. Und vielleicht, weil Gott nicht nur am Ziel auf uns wartet, sondern schon mit uns unterwegs ist.
Pastorin Astrid Friedrichs, Lüdingworth
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