Neulich hatte ich mit ein paar Bekannten eine Auseinandersetzung: Es ging darum, wie sehr man sich den Erwartungen anderer Leute anpasst – oder eben auch nicht. Solche Gespräche gab es immer schon. Ein bekanntes Beispiel ist die Band „Die Ärzte“; sie raten mit einem Lied: „Lass die Leute reden …“
Ob es nun um Kleidung, Musikgeschmack oder anderes geht: Die einen werden sich bemühen, bei anderen kein „Gerede“ und keine Missfallensäußerungen hervorzurufen; anderen ist ihre eigene Ansicht wichtiger als das, was – vielleicht – die Leute denken. Soweit – so alltäglich.
"Das geht doch keinen etwas an!“
Wie ist das aber, wenn es um die eigenen Grundüberzeugungen – wenn es um meinen Glauben geht? „Wieso?“, werden manche da sagen, „Glaube ist doch Privatsache. Glaube steht für ein Gefühl der Geborgenheit oder für eine Art ,innere Heimat'. Das geht doch keinen etwas an!“
"Deutlich wahrnehmbar den Mund aufmachen"
Was Geborgenheit und "innere Heimat" betrifft, stimme ich zu. Aber für mich ist das nicht alles, wenn es um meinen christlichen Glauben geht. Denn wenn ich Situationen erlebe oder Sprüche höre, die in krassem Gegensatz zu meinen christlichen Überzeugungen stehen, dann empfinde ich die Pflicht, für diese christlichen Grundwerte deutlich wahrnehmbar den Mund aufzumachen.
"Für mich und mein Gegenüber wird's manchmal unbequem"
Und das wird dann manchmal unbequem: Für mich selbst, weil ich mich bei meinem Gegenüber dann nicht beliebt mache. Und für mein Gegenüber, das anscheinend wenig(er) von Werten wie Nächstenliebe, Menschenwürde und Zusammenhalt hält als ich.
"Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?"
Ich denke, beides ist mit dem Glauben verbunden: Geborgenheit UND das Eintreten für die Werte, die Jesus und viele andere nach ihm vertreten haben. Dabei geht mir immer wieder ein Satz Jesu aus der Bergpredigt durch den Kopf: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? …“ (Matthäus 5,13)
"Für Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt eintreten"
Ich bin übrzeugt, Gott hat uns Verstand gegeben, damit wir danach suchen und erkennen, was besser oder schlechter im menschlichen Miteinander ist. Und er hat uns einen Mund gegeben, damit wir diese Einsichten mit anderen teilen. Dazu gehört es auch, für Werte wie Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt einzutreten – selbst wenn andere das stören könnte. Vielleicht regt es sie ja doch zum Nachdenken an. Und das ist wichtig – nicht nur, aber gerade auch – wenn politische Wahlen anstehen wie die Kommunalwahl bei uns am 13. September. Auch wenn es unbequem ist!
Peter Seydell, Pastor in Lamstedt und der Region Ost im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln
Regional-Gottesdienst-Sommerkirche in Wohlenbeck zum Teichfest
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