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Losung Freitag, 05. Juni 2026

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

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Auf ein Wort

Als Inge-Rose Lippok das Tagebuch ihres Vaters fand, konnte sie zuerst nichts damit anfangen. Gerhard Lippok hatte es mit 20 bis 22 Jahren als junger Soldat von 1943 bis 1945 geschrieben: in Sütterlin, der altdeutschen Schreibschrift. Erst als jemand es ihr ins heutige Deutsch übertrug, konnte sie lesen, wie ihr Vater den 2. Weltkrieg erlebte: Zunächst wie eine Rundreise in viele Länder Europas: „Stundenlang fahren wir nun schon an den Weinfeldern vorbei, umworben von dem goldgelben schnittreifem Getreide (…). Man könnte dabei die Gefahren vergessen – wenn nicht hier und da umgestürzte, ausgebrannte Züge die Straße säumten.“ Seinem Tagebuch vertraut er an, worüber er sich freut, wie geschockt er durch den Tod seines Bruders an der Front ist, wie sehr er seine Familie, seine Freundin und seine Heimat in Schlesien vermisst.

Künstlerin Worte aus dem Tagebuch ihres Vaters an die Wände

„Entheimatet“ nannte die Künstlerin Inge-Rose Lippok ihre begehbare Rauminstallation in Form eines Schützengrabens aus Holz, Leinwand und Farbe. An die Wände schrieb die Künstlerin Worte aus dem Tagebuch ihres Vaters, klanglich begleitet von Musik. Noch bis zum 11. Juni zeigt die Ev.-luth. Gnadenkirche in der Pommernstraße in Cuxhaven als KULTURKIRCHE diese 3D-Kunst zum Selbsterkunden. Sie ist jeden Tag von 15 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag und Sonntag sogar von 14 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

So schlimm, dass Gerhard den Zugang zu seinen Emotionen verliert

So wird auch deutlich, wie sehr Gerhard im Januar 1945 um seine Familie bangt: „Wenn ich die Frontberichte höre – die Straßen Schlesiens voller Flüchtlinge – (…) Wo sind sie alle? Die Eltern, die Schwestern, Du Ruthl?“ Alles ist so schlimm, dass Gerhard den Zugang zu seinen Emotionen verliert: „Meine Verzweiflung wurde abgelöst von einer Art Gleichgültigkeit. Ich glaube, dass mich kein Schlag mehr treffen kann, keine noch so schreckliche Nachricht.“

Zwölf Kriegskinder erzählen von ihrem Schicksal

Solche Kriegstraumata können ein ganzes Leben prägen. Was die Eltern erlebten, geben sie bewusst oder unbewusst an ihre Kinder weiter: an Strenge ohne Mitgefühl, im Schweigen über das Erlebte, durch innere Taubheit und Lähmung oder explosive Gereiztheit und Aggressivität. Nur in einer sehr sicheren Umgebung mit viel Mitgefühl, Schutz und Bewältigungsstrategien – z.B. in einer Traumatherapie - kann es gelingen, sich sehr behutsam dem zu nähern, was überwältigend sein kann. Im Film „Zuflucht – Zuversicht – Zukunft“ ist am Freitag, 5. Juni 2026, um 19 Uhr in der Gnadenkirche zu sehen, wie zwölf Kriegskinder von ihrem Schicksal erzählen (Eintritt frei).

Eltern geben Prägendes an Kinder, Enkel und Urenkel weiter

Um solche Zusammenhänge weiß die Bibel schon seit über 3.000 Jahren: Was die Eltern an Schlimmem erlebten oder taten, das prägt ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Doch wer sich mit Gottes Liebe und Güte beschenken lässt - und dabei auch wieder einen Zugang zu verschütteten Emotionen findet - , wird zu einem Segen, der bis in die tausendste Generation reicht. (2.Mose 20, 5+6).

Stefan Bischoff, Pastor in Cuxhaven-Ritzebüttel

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Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln
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