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Losung Freitag, 16. Oktober 2026

Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.

Psalm 85,10.11

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Auf ein Wort

„Ich bin einfach nur urlaubsreif.“ So hörte man manchen stöhnen, als der Sommer begann. Reif für die Insel, reif für eine Pause, reif dafür, endlich einmal nichts tun zu müssen. Nun neigen sich die warmen Tage dem Ende zu, und ich frage mich: Wie mag es den Urlaubern ergangen sein? Sind sie nun wieder erholt – reif für den Alltag? Verwunderlich ist nur, dass ich neulich schon wieder jemanden klagen hörte: „Ach, ich bin einfach nur urlaubsreif.“ Wie gut, dass es die Herbstferien gibt!

"Eine Frucht ist nicht deshalb reif, weil sie am Ende ist"

Doch diese Redeweise lässt mich nachdenklich werden. Denn „reif“ und „Reife“ bedeuten im Alltag oft, dass jemand erschöpft ist, ausgebrannt, am Ende seiner Kräfte. Im Monat des Erntedankfestes, im goldenen Oktober und – ja – auch als Mensch reiferen Alters suche ich nach anderen Bildern. Ich finde sie zum Beispiel in der Natur. Eine Frucht ist nicht deshalb reif, weil sie am Ende ist, sondern weil sie nun ihre eigentliche Bestimmung erreicht. Das Korn auf dem Feld, der Apfel am Baum, die Traube am Weinstock: In ihrer Reife werden sie bereit für etwas Neues. Sie werden geerntet, aufgehoben, verarbeitet, geteilt. Aus ihnen entsteht Nahrung, Genuss, manchmal auch Heilung – Leben auch für andere.

"Reife bedeutet, sich verwandeln zu lassen"

Vielleicht lässt sich darin etwas über unser eigenes Leben entdecken. Reif werden heißt nicht einfach, älter zu werden oder möglichst viel erlebt zu haben. Reife bedeutet, sich verwandeln zu lassen: aus dem, was wir erlebt haben, etwas entstehen zu lassen, das dann auch anderen zu gute kommt. Erfahrungen können uns bitter machen oder vorsichtiger, verschlossener oder verständnisvoller. Manches, was wir selbst durchlebt haben, kann uns helfen, anderen mit mehr Geduld und Nachsicht zu begegnen.

"Wie eine Frucht braucht auch unser Leben Erde und Regen"

Mit der Reife wächst vielleicht auch die Dankbarkeit. Denn wenn wir auf unser Leben schauen, entdecken wir neben dem, was wir selbst getan und geleistet haben, vieles, das wir uns nicht selbst verdanken. Wie eine Frucht braucht auch unser Leben Erde und Regen, Licht und Zeit, Arbeit und Geduld – und in und mit dem allen den Segen Gottes. Und manchmal erkennen wir erst im Rückblick, wie viel uns geschenkt wurde und wie wenig wir selbst in der Hand hatten.

"Wozu hat Gott mich reifen lassen?"

Deshalb könnte die entscheidende Frage am Ende nicht heißen: „Wofür bin ich reif?“, sondern: „Wozu hat Gott mich reifen lassen?“ Eine Frage, auf die wir wohl nicht so schnell eine Antwort finden. Womöglich müssen wir sie auch gar nicht abschließend beantworten.

"Früchte tragen, für sich selbst und auch für andere"

Vielleicht liegt darin ein Geheimnis christlichen Lebens: nicht immer stärker und unabhängiger zu werden, sondern offener, annehmender, empfänglicher für Gott, für das Leben und für die Menschen neben uns. Auch darin kann Reife liegen: Früchte tragen, für sich selbst und auch für andere. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott auch aus dem, was in unserem Leben müde, brüchig oder vergangen scheint, noch etwas Neues wachsen lassen kann.

"Ich bin gespannt, so wie es der Apostel Paulus auch war"

So ist Reife nicht das Ende. Sie kann die Bereitschaft zur Ernte bedeuten – und zugleich die Offenheit für einen neuen Anfang. Ich bin gespannt, so wie es der Apostel Paulus auch war. Er schrieb:

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13, 12)

Auf manches haben wir im Laufe des Lebens Antworten bekommen, aber wir wissen bei weitem noch nicht alles. Unser Erkennen bleibt bruchstückhaft. Vielleicht gehört gerade das zur Reife: zu wissen, dass wir noch nicht alles wissen – und dennoch dankbar zu sein für das, was uns geschenkt ist, und offen zu bleiben für das, was noch kommt.

Dr. Ekkehard Heise, Pastor i.R., Cuxhaven

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