Neues Format „Politisch Predigen“ gestartet: Eva Viehoff in St. Georg

Nachricht Oberndorf, 22. September 2026

Gegen die Angst – Raum für Hoffnung

Oberndorf. Angst macht eng. Sie verengt den Blick, lähmt die Hände und flüstert: Es lohnt sich nicht mehr, etwas zu verändern. Genau dagegen stellte Eva Viehoff am 16. Sonntag nach Trinitatis in der St. Georg-Kirche in Oberndorf das Evangelium: nicht als leichten Trost, sondern als Zusage, dass Gott in Christus die tiefste aller Ängste entmachtet hat – die Angst vor dem Tod. Unter dem Leitwort „Gegen die Angst – Raum für Hoffnung“ sprach sie über die Kraft des Glaubens in krisenhaften Zeiten.

Der Gottesdienst gehörte zur Reihe „Politisch Predigen“, die im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln erprobt wird. Sie lädt Politikerinnen und Politiker ein, gesellschaftliche Fragen im Horizont des Glaubens aufzugreifen. Eva Viehoff dankte Pastor Wiarda und Pastorin Meike Müller-Bilgenroth für die Einladung und Begleitung.

Viehoff, seit 2017 Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag und seit Jahrzehnten in Kommunal- und Kirchenpolitik im Landkreis Cuxhaven engagiert, sprach über den Predigttext aus dem zweiten Timotheusbrief (2 Tim 1,7–10): „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Der Brief erinnert an Gottes Gnade, die in Christus Jesus sichtbar wird: eine Hoffnung, die geschenkt und nicht selbst erbracht werden muss.predigtforum

Wenn Krisenmüdigkeit zur Enge wird

Viehoff beschrieb eine Gesellschaft, die von anhaltenden Krisenerfahrungen geprägt ist. Zwar deuten Studien auf ein historisch niedriges allgemeines Angstniveau hin, dahinter stehe jedoch oft „Krisenmüdigkeit“: Viele Menschen reagierten auf Dauerbelastung mit Abstumpfung, Rückzug oder Resignation.

Konkrete Sorgen blieben dennoch: um bezahlbaren Wohnraum, soziale Spaltung, kulturelle Trennungslinien, wirtschaftliche Unsicherheit, die Klimakrise und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte. „Wo die Resignation Raum gewinnt, geht als Erstes die Hoffnung verloren und die Angst nimmt einen großen Raum ein“, sagte Viehoff. Angst bedeute Enge: Sie lasse die Welt klein, die Zukunft bedrohlich und das eigene Handeln wirkungslos erscheinen.Der christliche Glaube verdränge diese Ängste nicht, sondern eröffne eine andere Perspektive: Gott habe sich in Jesus Christus menschlicher Bedrängnis, Leid und Tod ausgesetzt. Im Kreuz werde diese Wirklichkeit ernst genommen; in der Auferstehung beginne eine Hoffnung, die größer sei als die Angst.

Gott hat das letzte Wort

Christliche Hoffnung, so Viehoff, sei kein naiver Optimismus und kein bloßes Durchhalteprogramm. Sie gründe in dem, was Gott in Christus getan hat: Der Tod habe nicht das letzte Wort. Der zweite Timotheusbrief bezeuge, dass Christus dem Tod die Macht genommen und „das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“ habe.predigtforum+1

Paulus habe diese Worte aus der Gefangenschaft an den jungen Timotheus geschrieben, der unter Ablehnung und Anfechtung litt. Er habe ihm keine Parolen zugesprochen, sondern ihn auf Gottes Gnade und Berufung verwiesen. Christliche Hoffnung sei daher kein Selbstoptimierungsprojekt, sondern Vertrauen auf den, der treu bleibt, wenn Menschen an ihre Grenzen kommen.

„Durch Jesus Christus, den christlichen Glauben an das unvergängliche Leben, hat der Tod als der größte Angstmacher seine ultimative Macht verloren“, sagte Viehoff. Wenn die tiefste Angst genommen sei, verändere das das gesamte Lebensgefühl: „Wir schauen nicht mehr gelähmt auf die Krisen der Welt, sondern wissen uns vor und hinter uns von Gottes Gnade getragen.“

Kraft, Liebe und Besonnenheit

Aus diesem Fundament benannte Viehoff drei Gaben gegen den Geist der Furcht:

Kraft als aktivierende Hoffnung: Sie löse Erstarrung auf und eröffne neue Handlungsmöglichkeiten – im Ehrenamt, in der Nachbarschaft, in Politik und Kirche.

Liebe als verbindende Hoffnung: Sie weigere sich, Menschen aufzugeben oder Schuldige zu suchen, und baue Brücken über gesellschaftliche Gräben hinweg.

Besonnenheit als kluge Hoffnung: Sie helfe, klar zu urteilen und in Zeiten von Hysterie, Panik und Fake News verantwortungsvoll zu handeln.

Diese Gaben seien keine Leistungen, die Menschen aus eigener Kraft erbringen müssten. Sie seien Geschenke des Heiligen Geistes – gerade dort, wo eigene Mittel fehlen.

Entscheidungen aus Hoffnung

Mit dem Nelson Mandela zugeschriebenen Satz „Mögen deine Entscheidungen deine Hoffnungen und nicht deine Ängste widerspiegeln“ appellierte Viehoff an die Gemeinde, sich nicht von Angst bestimmen zu lassen. Die Zusage des Evangeliums laute: „Fürchte dich nicht!“ – nicht, weil es keine Gefahren gäbe, sondern weil Gott mit seiner Kirche und mit jedem Menschen gehe.

Zum Abschluss griff sie einen irischen Segenswunsch auf: Besonnenheit in Zeiten der Angst, leise Hoffnung als Anker in der Dunkelheit – und die Gewissheit, dass jeder Schritt, auch der kleine, näher ans Licht führt.