Gegen die Angst – Raum für Hoffnung
Oberndorf. Angst macht eng. Sie verengt den Blick, lähmt die Hände und flüstert: Es lohnt sich nicht mehr, etwas zu verändern. Genau dagegen stellte Eva Viehoff am 16. Sonntag nach Trinitatis in der St. Georg-Kirche in Oberndorf das Evangelium: nicht als leichten Trost, sondern als Zusage, dass Gott in Christus die tiefste aller Ängste entmachtet hat – die Angst vor dem Tod. Unter dem Leitwort „Gegen die Angst – Raum für Hoffnung“ sprach sie über die Kraft des Glaubens in krisenhaften Zeiten.
Der Gottesdienst gehörte zur Reihe „Politisch Predigen“, die im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln erprobt wird. Sie lädt Politikerinnen und Politiker ein, gesellschaftliche Fragen im Horizont des Glaubens aufzugreifen. Eva Viehoff dankte Pastor Wiarda und Pastorin Meike Müller-Bilgenroth für die Einladung und Begleitung.
Viehoff, seit 2017 Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag und seit Jahrzehnten in Kommunal- und Kirchenpolitik im Landkreis Cuxhaven engagiert, sprach über den Predigttext aus dem zweiten Timotheusbrief (2 Tim 1,7–10): „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Der Brief erinnert an Gottes Gnade, die in Christus Jesus sichtbar wird: eine Hoffnung, die geschenkt und nicht selbst erbracht werden muss.predigtforum
Wenn Krisenmüdigkeit zur Enge wird
Viehoff beschrieb eine Gesellschaft, die von anhaltenden Krisenerfahrungen geprägt ist. Zwar deuten Studien auf ein historisch niedriges allgemeines Angstniveau hin, dahinter stehe jedoch oft „Krisenmüdigkeit“: Viele Menschen reagierten auf Dauerbelastung mit Abstumpfung, Rückzug oder Resignation.
Konkrete Sorgen blieben dennoch: um bezahlbaren Wohnraum, soziale Spaltung, kulturelle Trennungslinien, wirtschaftliche Unsicherheit, die Klimakrise und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte. „Wo die Resignation Raum gewinnt, geht als Erstes die Hoffnung verloren und die Angst nimmt einen großen Raum ein“, sagte Viehoff. Angst bedeute Enge: Sie lasse die Welt klein, die Zukunft bedrohlich und das eigene Handeln wirkungslos erscheinen.Der christliche Glaube verdränge diese Ängste nicht, sondern eröffne eine andere Perspektive: Gott habe sich in Jesus Christus menschlicher Bedrängnis, Leid und Tod ausgesetzt. Im Kreuz werde diese Wirklichkeit ernst genommen; in der Auferstehung beginne eine Hoffnung, die größer sei als die Angst.


