Mehr als 11.000 Hilferufe im Jahr: TelefonSeelsorge immer wichtiger

Nachricht Kirchenkreis / Bad Bederkesa, 09. April 2026

Wenn die Nacht still wird, klingelt das Telefon – am anderen Ende wartet jemand, der zuhört. Mehr als 11.000 Mal suchten Menschen im vergangenen Jahr Hilfe bei der TelefonSeelsorge Elbe-Weser. Und sie fanden ein offenes Ohr und ein tröstendes Wort.
Die steigenden Zahlen dokumentieren eindrucksvoll: Das Bedürfnis nach verständnisvoller, anonymer Unterstützung wächst stetig. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Fördervereins wurde deutlich, welche Bedeutung und welche Herausforderungen dieses Engagement inzwischen hat. Und welche Verantwortung damit einhergeht.

"Unverzichtbarer Pfeiler der sozialen Infrastruktur"

Nach den üblichen Formalien rückte insbesondere der Bericht von Leiter Daniel Tietjen in den Mittelpunkt. Er machte deutlich, dass die TelefonSeelsorge Elbe-Weser, getragen unter anderem von den Kirchenkreisen Bremerhaven, Cuxhaven-Hadeln und Wesermünde, längst zu einem unverzichtbaren Pfeiler der sozialen Infrastruktur geworden ist. Angesichts wachsender psychischer Belastungen und überlasteter medizinischer Versorgungssysteme schließt sie eine Lücke, die sonst kaum zu füllen wäre. Ohne ihr Engagement, so Tietjen, müssten Kommunen vergleichbare Strukturen erst mühsam selbst aufbauen.

Unterstützung auch durch die Landeskirche

Finanziell wird die Arbeit neben den Kirchen auch durch öffentliche und private Zuschussgeber unterstützt, darunter die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die Evangelisch-reformierte Kirche, der Landkreis Rotenburg und der Förderverein selbst.

Einsamkeit, Partnerschaftsprobleme und Depressionen

Die Gründe, warum Menschen Hilfe suchen, sind vielfältig. Besonders häufig nennen Ratsuchende Einsamkeit, Partnerschaftsprobleme, Depressionen und Ängste. Kinder und Jugendliche wenden sich vor allem wegen Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung oder im sozialen Umfeld an die Seelsorge. Auffällig ist nicht nur die steigende Zahl der Kontakte, sondern auch deren Intensität. Die Gespräche werden länger und anspruchsvoller.

Zentrales Fundament der Arbeit bilden die rund 90 Ehrenamtlichen, die den 24-Stunden-Dienst sicherstellen. Der jüngste unter ihnen ist 37 Jahre alt. Nachwuchsgewinnung bleibt ein wichtiges Thema.

Kino-Projekt wichtige Einnahmequelle

Der Bericht von Dr. Uwe Huljus, Vorsitzender des Fördervereins, beleuchtete die finanzielle Seite der Vereinsarbeit. Neben Mitgliedsbeiträgen sticht besonders das Projekt „Kino in der Amtsscheune“ hervor, das sich als verlässliche Einnahmequelle etabliert hat. An jedem ersten Freitag im Monat werden in der Amtsscheune in Bad Bederkesa nationale und internationale Filme in angenehmer Atmosphäre gezeigt. Ein kleiner Imbiss und die Bitte um Spenden zugunsten der TelefonSeelsorge gehören dazu. Rund 4.000 Euro kamen so im vergangenen Jahr zusammen – eine Summe, die vor allem für die Ausbildung, Supervision und Begleitung der Ehrenamtlichen eingesetzt wird.

Wechsel im Vorstand vollzogen

Auch personell gab es Veränderungen. Kassenwart Horst Adami wurde – krankheitsbedingt in Abwesenheit – nach einstimmigem Lob der Kassenprüfer entlastet. Seine Nachfolge tritt Marlies Heinemeyer an, die einstimmig gewählt wurde. Klaus Volkhardt bleibt zweiter Vorsitzender, Kassenprüfer Heiko Hillrichs verlängert seine Amtszeit.

Eigene App für die junge Generation geplant

  • Während ältere Hilfesuchende weiterhin das Telefon bevorzugen, greifen jüngere Menschen zunehmend auf Chatangebote zurück. Im Zuge dieser Entwicklung wurde auch die Idee einer eigenen App diskutiert, um insbesondere die nachwachsende Generation besser zu erreichen. Für ein solches Projekt werden derzeit Kosten in Höhe von rund 500.000 Euro veranschlagt.
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