Generalkonvent berät über die Zukunft der Kirche im Elbe-Weser-Raum

Nachricht Rotenburg, Stade, Kirchenkreis, 21. August 2026

Wo vertraute Wege nicht mehr selbstverständlich ans Ziel führen, braucht es den Mut, neue Richtungen zu erkunden. Über diese Herausforderungen berieten Pastorinnen und Pastoren aus dem Elbe-Weser-Raum beim Generalkonvent im Sprengel Stade, den Regionalbischöfin Sabine Preuschoff (Stade) erstmals seit ihrem Dienstbeginn leitete. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft standen die zukünftige Entwicklung der evangelischen Kirche sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Professionen vor Ort. Knapp 200 Geistliche nahmen daran teil.

"Kirchenkreisen kommt zentrale Rolle zu"

Als Experte für kirchliche Veränderungsprozesse war der evangelische Theologe und Organisationsberater Steffen Bauer eingeladen. Seine Beobachtung: „Deutschlandweit wird in allen Regionen und Landeskirchen der Teamgedanke gewollt und umgesetzt. Dabei kommt den Kirchenkreisen in den Veränderungsprozessen eine zentrale Rolle zu.“ Bauer warb dafür, sich „radikal ehrlich zu machen“ und nicht nur zu optimieren, sondern sich wirklich zu verändern.

"Kulturveränderung auf allen Ebenen"

Dazu gehöre ein Blick vom Jahr 2035 her: „Wie sehen dann nach allen Prognosen die kirchlichen Ressourcen aus – und was bedeutet das für die Arbeit vor Ort?“ Entscheidend sei, wie Kirche für die Menschen vor Ort gestaltet werden könne, wenn Kirchenentwicklung und verfügbare Ressourcen neu ins Verhältnis gesetzt werden müssten. Dafür brauche es auf allen Ebenen eine Kulturveränderung.

"Freiräume für Erprobungen schaffen" 

„Wir kommen noch zu wenig von alten Bildern los und lassen uns zu wenig von neuen inspirieren.“ Es gelte, Freiräume für Erprobungen zu schaffen und vor Ort herauszufinden, was am besten funktioniere und was Menschen sich von Kirche wünschten – „in aller Vielfalt und Kreativität“.

Nicola Wendebourg, Personalchefin der hannoverschen Landeskirche, warb in ihrem Beitrag für mehr multiprofessionelle Teams in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen. „Wir benötigen noch mehr gleichberechtigtes Miteinander der unterschiedlichen Berufsgruppen, denn in dieser Vielfalt liegt eine Stärke der fachlichen Arbeit.“ Konkrete Vorgaben der Landeskirche für die Ausgestaltung gebe es dabei nicht. Vielmehr sollten die Teams vor Ort ausgehend von ihren jeweiligen Aufgaben entwickelt werden.

"Gewährsleute für die Einheit der verschiedenen Dienste sein"

„Im Konzert der verschiedenen Berufe sehe ich die Aufgabe von Pastorinnen und Pastoren darin, Gewährsleute für die Einheit der verschiedenen Dienste zu sein und die theologische Expertise einzubringen“, sagte die Oberlandeskirchenrätin. Von der „Allzuständigkeit“ seien Pastorinnen und Pastoren zu entlasten. „Sie sind mit ihren Fähigkeiten in spirituellen, seelsorglichen und theologischen Fragen die Fachleute und bringen diese Perspektiven und Kenntnisse in ihre Teams und ihre Gemeinden ein.“ Nicht jeder solle alles machen, sondern das, „worin er oder sie besonders gut ist“.

"Tief beeindruckt von der vielfältigen Arbeit"

Am Nachmittag berichtete Sabine Preuschoff von ihren Eindrücken aus den ersten Monaten als Regionalbischöfin. Seit November vergangenen Jahres ist sie für knapp 200 evangelisch-lutherische Gemeinden zwischen Elbe und Weser zuständig. „Ich bin tief beeindruckt von der vielfältigen Arbeit in den Gemeinden und Einrichtungen, für die ich unfassbar dankbar bin“, bilanzierte die leitende Geistliche ihre Eindrücke von der Reise durch den Sprengel Stade.

Regionalbischöfin bedankt sich auch für Treue im Dienst

Sie habe alle neun Kirchenkreise jeweils einen Tag lang besucht und kennengelernt. Darüber hinaus war sie in zahlreichen Einrichtungen, unter anderem in der Seemannsmission, im Evangelischen Bildungszentrum Bad Bederkesa, in der Telefonseelsorge und im Hospiz zwischen Elbe und Weser. „Ich danke allen für die Treue im Dienst, für ihren Mut, Neues auszuprobieren und die Bereitschaft, Kirche neu zu gestalten. Aber auch für ein loyales und kollegiales Miteinander und den Blick füreinander.“

Auftakt mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche

Begonnen hatte der Generalkonvent am Morgen mit einem Gottesdienst in der Rotenburger Stadtkirche. Regionalbischöfin Preuschoff hielt die Predigt. Landesbischof Ralf Meister gedachte der im vergangenen Jahr verstorbenen Geistlichen und feierte mit der Gemeinde das Abendmahl.

Sonja Domröse, Pressesprecherin Sprengel Stade

Zur Erklärung

Ein Generalkonvent ist die Versammlung der Pastorinnen und Pastoren eines evangelisch-lutherischen Sprengels. Im Sprengel Stade kommen dazu in der Regel einmal jährlich die Geistlichen aus den neun Kirchenkreisen des Elbe-Weser-Raums zusammen – darunter auch aus dem Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln. Sie alle beraten über theologische, kirchliche und berufliche Fragen, erhalten Informationen aus der Landeskirche und tauschen Erfahrungen aus ihrer Arbeit vor Ort aus. Teilnehmen können die Pastorinnen und Pastoren, die im Sprengel tätig sind. Geleitet wird der Generalkonvent von der Regionalbischöfin oder dem Regionalbischof.