Nach Ingo Duwensee: Yewon Choi aus Südkorea wird neue Organistin

Nachricht Kirchenkreis, 14. Oktober 2026

„Es ist mein großer Wunsch, dass meine Orgelmusik in den Gottesdiensten kein ‚tönendes Erz‘ ist, sondern eine lebendige, berührende Verbindung zwischen den Menschen schafft.“ Dieser Satz sagt viel über Yewon Choi aus.

"Durch die Liebe getragen und weitergegeben"

Die 29-jährige Organistin aus Südkorea wird Anfang 2027 die Kirchenmusikerstelle in Altenbruch, Lüdingworth und Groden übernehmen. Sie tritt damit die Nachfolge von Ingo Duwensee an, der das musikalische Leben der drei Gemeinden über viele Jahre geprägt hat. Das Bild vom „tönenden Erz“ stammt aus dem ersten Korintherbrief. Für Yewon Choi beschreibt es, was sie sich von ihrer Musik erhofft: Sie soll nicht einfach "nur" erklingen, sondern durch die Liebe getragen und weitergegeben werden. Sie soll die Herzen der Menschen erreichen und diese miteinander verbinden.

"Unschätzbarer Wert der historischen Orgeln"

Dass sich die junge Frau ausgerechnet für diese Stelle bewarb, hat einen besonderen Anlass. „Der Hauptgrund dafür ist der unschätzbare Wert der historischen Schnitger- und Klapmeyer-Instrumente“, macht sie deutlich. Erst im Mai durfte Yewon Choi ihr Abschlusskonzert an der berühmten Schnitger-Orgel der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi spielen. Dabei habe sie die Einzigartigkeit eines solchen historischen Instruments noch einmal besonders tief empfunden. "Diese Schätze zu bewahren und zu pflegen, ist mir ein großes Anliegen", unterstreicht sie.

Auf der Suche nach einer herzenswarmen Gemeinschaft

Doch nicht nur die Orgeln haben sie nach Cuxhaven-Hadeln gezogen. „Ich suche nach einer Gemeinde, die nicht nur hervorragende historische Instrumente pflegt, sondern auch eine herzenswarme Gemeinschaft bildet, in der meine musikalische Arbeit Früchte tragen kann“, erklärt Choi. In diesen Worten steckt ein Verständnis von Kirchenmusik, das weit über die Orgelbank hinausreicht. Musik soll ihren Platz im Gottesdienst ebenso finden wie im Miteinander der Menschen.

Bis Jahresende noch leitet Ingo Duwensee die Kirchenmusik in den Kirchengemeinden Altenbruch, Groden und Lüdingworth. Dann ist der Ruhestand angesagt. Foto: Privat

Orgeln sind "die besten Lehrmeister"

Ingo Duwensee hat die Orgeltradition der Region über Jahrzehnte mitgestaltet. Er betreute die historischen Instrumente in Altenbruch und Lüdingworth, begleitete die Restaurierung der Klapmeyer-Orgel bis zu ihrer Wiedereinweihung 2004 und prägte die Konzertarbeit der Stiftung Historische Orgeln. Anlässlich des 20-jährigen Stiftungsjubiläums bezeichnete er die Orgeln als „die besten Lehrmeister“. Ihre historischen Klangfarben eröffneten immer wieder neue musikalische Möglichkeiten. Mit seinem offiziellen Abschied zum Jahresende beginnt ein neuer Abschnitt.

Aus vier Kandidaten ausgewählt

Ein Gremium aus Vertretern der Kirchengemeinden, der Orgelstiftung und des Kirchenkreises hatte Yewon Choi zuvor aus vier Kandidaten für die Stelle ausgewählt. Choi bringt dafür eine fundierte Ausbildung und internationale Konzerterfahrung mit. Zuletzt arbeitete sie als Vakanzvertretung in der Kirchengemeinde Lokstedt in Hamburg.

Auch Projekte in Kitas und Seniorenheimen 

Dort begleitete sie Gottesdienste, leitete einen Seniorenchor und Kinderchöre und übernahm Projekte mit Kindertagesstätten und Seniorenheimen. Die Begegnung mit Menschen verschiedener Generationen gehört für sie damit bereits zum kirchenmusikalischen Alltag.

Im Oktober plant sie einen Besuch im Kirchenkreis 

Ende Oktober wird Yewon Choi ihre künftige Wirkungsstätte im Rahmen eines Treffens im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln aus nächster Nähe kennenlernen. „Ich freue mich schon sehr darauf“, verrät die 29-Jährige.
Für sie ist klar: „Ich möchte mit meiner Musik erreichen, dass aus historischen Klängen lebendige Begegnungen werden – und dass die alten Orgeln auch in Zukunft viele Menschen zu berühren vermögen.“

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Zur Person

Yewon Choi, geboren 1997 in Südkorea, studierte Kirchenmusik an der Yonsei University in Seoul und Orgel an der Hochschule für Musik und Theater München.

Seit 2024 setzt sie ihre Ausbildung im Konzertexamen Orgel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Prof. Antonio Di Dedda und Prof. Wolfgang Zerer fort.

2022 gewann sie den zweiten Preis beim 21. Internationalen Petr-Eben-Orgelwettbewerb in Tschechien sowie einen Sonderpreis für die Interpretation eines Werkes von Petr Eben.

Als Organistin konzertierte sie unter anderem bei internationalen Orgelfestivals in Prag und München sowie an Hamburger Kirchen, darunter St. Petri und St. Katharinen.

Yewon Choi erhielt Stipendien der Oscar und Vera Ritter-Stiftung, des Auswärtigen Amts und von Yehudi Menuhin Live Music Now.

Einführung

Offiziell antreten wird Yewon Choi ihre Stelle als neue Organistin der Kirchengemeinden Altenbruch, Groden und Lüdingworth am 24. Januar nächsten Jahres. An diesem Tag ist in St. Nicolai um 10 Uhr ein Gottesdienst unter der Orgel geplant; anschließend findet der Neujahrsempfang statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind jetzt schon herzlich willkommen.