Seit 70 Jahren ist die TelefonSeelsorge in Deutschland ein niedrigschwelliges, rund um die Uhr erreichbares Angebot für Menschen in Krisen – entstanden aus einer privaten Initiative. Am 5. Oktober 1956 machten Helene und Julius Wissinger in Berlin ihre private Rufnummer öffentlich und starteten damit die erste Telefonseelsorge Deutschlands. 2026 ist daraus ein bundesweites Netz geworden: am Telefon und seit 1995 auch per Chat, Mail und vor Ort.
Was aus christlicher Nächstenliebe entstand, hat sich bis heute gehalten
Ein Telefon, eine Wohnung in Berlin-Charlottenburg, die Nummer 32 01 55. Mehr brauchten die beiden nicht, um in Deutschland etwas anzufangen, das es bis dahin nicht gab. Sie boten Menschen in existenziellen Krisen an: Ruft an, jederzeit! Was aus gelebter christlicher Nächstenliebe entstand, hat sich bis heute gehalten: Wer anruft, erreicht jemanden, der zuhört – aufmerksam, wohlwollend und wertfrei.
West-Berlin 1956: viel Not, kaum Hilfe
Elf Jahre nach Kriegsende steckte West-Berlin noch mitten in den Folgen: Wohnungsnot, politische Unsicherheit, seelische Not. Die Stadt galt als Ort mit besonders hoher Suizidrate. Ein Hilfsangebot, bei dem man einfach zum Hörer greifen konnte, kannte in Deutschland niemand.
Und dann stand das Telefon nicht mehr still
Helene Wissinger war 64, Gymnasiallehrerin für Mathematik und Physik. Julius Wissinger war 72, promovierter Jurist. Beide waren Seelsorger im ökumenischen St.-Lukas-Orden. Die Idee kam aus dem Ausland: In Großbritannien, Schweden und den USA gab es schon seit den frühen 1950er-Jahren telefonische Hilfe für Menschen in Krisen. Am 5. Oktober 1956 fingen sie an. Kurze Zeit später stand die Nummer in den Zeitungen und lief im Rundfunk. Von da an stand das Telefon nicht mehr still.


