Eindringliches Gebet für den Frieden – über alle Grenzen hinweg

Nachricht Cuxhaven, 27. Oktober 2026

Während Sturmtief „Manja“ draußen über die Stadt hinwegfegte, suchten rund 80 Menschen in der katholischen Kirche St. Marien das, was Menschen über Glaubensgrenzen hinweg verbindet: Frieden, Mitgefühl und gegenseitigen Respekt. Beim 14. Interreligiösen Gebet am Sonntag unter dem Leitwort „Wenn doch die Nächstenliebe jeden Tag zum Leben erwachte“ stand die gemeinsame Verantwortung für ein menschliches Miteinander im Mittelpunkt.

Gemeinschaft ohne religiöse Grenzen

Während Sturmtief „Manja“ über Cuxhaven hinwegfegte, gestalteten Vertreter der christlichen Kirchen und der türkisch-islamischen Gemeinde die Feier. Der Kreis „Interreligiöse Begegnungen Cuxhaven“ hatte eingeladen. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen für Verständigung über religiöse Grenzen hinweg.

Erinnerung an 40. Jahrestag des Friedenstreffens

Zur Begrüßung erinnerte Pfarrer Christian Piegenschke an das Friedenstreffen von Assisi, dessen 40. Jahrestag 2026 begangen wird. Papst Johannes Paul II. hatte 1986 Vertreter verschiedener Religionen dorthin eingeladen. Das gemeinsame Gebet zeige, dass Menschen trotz religiöser Unterschiede für Frieden eintreten können.

Ein Gruß der liberalen jüdischen Gemeinde

Dagmar Matthies verlas einen Gruß der liberalen jüdischen Gemeinde Bremerhaven, die mit dem Cuxhavener Dialogkreis verbunden ist. Die Botschaft erinnerte an gemeinsame Gebote der jüdischen und christlichen Tradition und deren Bedeutung für Menschenwürde und demokratisches Zusammenleben.

„Wo Liebe und Barmherzigkeit ist, da ist Gott“

Musik prägte die besinnliche Atmosphäre: Hoca Enes Tamparlak spielte Ney, eine traditionelle türkische Flöte, und der portugiesische Chor der katholischen Kirche sang mehrere Stücke. Mit dem Taizé-Lied „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“ – „Wo Liebe und Barmherzigkeit ist, da ist Gott“ – fand das Anliegen des Nachmittags seinen musikalischen Ausdruck.

In seinem geistlichen Impuls stellte Piegenschke das Doppelgebot der Liebe in den Mittelpunkt: Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Die Beziehung zu Gott müsse sich im Umgang mit anderen bewähren; Glaube zeige sich in Verantwortung und Dienst am Nächsten.

Blick auf die Geschichte vom barmherzigen Samariter

Dr. Lutz Meyer vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln griff das Leitwort anhand der Geschichte vom barmherzigen Samariter auf: Ein Überfallener liegt verletzt am Weg, während andere vorübergehen. Der Samariter lässt sich von seiner Not berühren und hilft. Nächstenliebe lasse sich nicht verordnen, betonte Meyer. Sie erwache immer wieder neu – aus einem mitfühlenden Herzen, das konkrete Hilfe dann Wirklichkeit werden lässt.

Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung

Auch der muslimische Beitrag betonte Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung. Tamparlak erinnerte daran, dass am Ende des Lebens nicht Herkunft, Sprache oder Religionszugehörigkeit zählten, sondern der Umgang mit anderen Menschen. Der Islam lehre Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und gute Taten. Frieden entstehe nicht durch Urteile und Mauern, sondern durch Verständnis und Brücken. Mit einer Bitte um mitfühlende Herzen und helfende Hände schloss er seinen Beitrag. Danach folgte der muslimische Lobgesang „Salat-ı Ümmiye“.

Hass, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Gleichgültigkeit beklagt

In den christlichen Fürbitten wurden Hass, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschen in Not beklagt. Die Gemeinde antwortete: „Gott der Barmherzigkeit, vergib.“ Mit dem Lied „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf allen Wegen“ endete die Feier als Bitte um Schutz und Segen.

Ein geschützter Raum der Begegnung

Während draußen der Sturm tobte, war in St. Marien ein geschützter Raum der Begegnung entstanden. Menschen verschiedener Religionen hatten gebetet, gesungen und über ihre gemeinsame Verantwortung nachgedacht: Mitgefühl kennt keine Religionsgrenzen.