Es goss in Strömen. Immer und immer wieder. Rund um die neue Gedenktafel auf dem Friedhof in Otterndorf standen die Gäste dichtgedrängt unter Schirmen, die Tropfen liefen über ihre Gesichter und über die frisch aufgestellte Tafel. Eigentlich hätte man sich für einen solchen Moment wohl anderes Wetter gewünscht. Und doch passte dieser Freitag auf eine eigentümliche Weise zu dem, worum es hier ging: um Erinnerungen, um die Spuren von Krieg und Gewalt – und um die Verantwortung, sie nicht verschwinden zu lassen.
Über die Friedhöfe zur St.-Severi-Kirche hinein in die Stadt
Zwölf Orte des Erinnerns sind auf der neuen Tafel verzeichnet. Sie führen über die Friedhöfe, zur St.-Severi-Kirche und hinein in die Stadt. Sie erzählen von Gefallenen vergangener Kriege, von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern, von Menschen, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden. Einer dieser Orte erinnert an 14 Säuglinge polnischer und russischer Zwangsarbeiterinnen, die während des Zweiten Weltkriegs in Otterndorf starben. Ihre Namen und Lebensdaten stehen für Schicksale, die lange kaum jemand kannte.
„Erinnern und Gedenken ist Arbeit für den Frieden“
„Zeitzeugen gibt es irgendwann nicht mehr“, sagt Irmgard Kröncke. Als Vorsitzende des Friedhofsausschusses der St.-Severi-Kirchengemeinde hat sie die Entstehung der Übersichtstafel über Jahre begleitet. Für sie ist Erinnerung nicht allein ein Blick zurück. „Erinnern und Gedenken ist Arbeit für den Frieden“, sagt sie.


