Historische Orgeln – Was eine Stiftung in 20 Jahren bewegt, leistet, bewahrt

Nachricht Kirchenkreis, 28. Mai 2026

Seit zwei Jahrzehnten widmet sich die "Stiftung Historische Orgeln in Altenbruch und Lüdingworth" der Bewahrung zweier außergewöhnlicher Instrumente, die weit über Norddeutschland hinaus Beachtung finden: der Altenbrucher Klapmeyer-Orgel und der Lüdingworther Schnitger-Orgel.
Zum 20‑jährigen Bestehen – am Sonnabend, 30. Mai 2026 wird gefeiert – lohnt sich ein Blick zurück auf die Anfänge, auf Herausforderungen und Erfolge. Und auf die Frage, wohin sich die Stiftung in einer Zeit entwickelt, in der Kulturförderung unter Druck steht. Ein Exklusiv-Gespräch mit Ingo Duwensee, dem künstlerischen Leiter.

Wenn Sie auf die vergangenen 20 Jahre blicken: Welcher Gedanke oder welche Notwendigkeit war so stark, dass aus ihr die Stiftung entstand – und wie wirkt dieser Impuls heute noch nach?
Ingo Duwensee:
Wie das Kulturerbe „Orgel“ ist auch eine Stiftung auf Nachhaltigkeit angelegt. Nach hohen Investitionen in die Restaurierung beider Kulturdenkmäler lag der Gedanke nahe, den Erhalt und die Pflege dieser wertvollen Instrumente auch durch eine entsprechende Personalie zu sichern. Die Idee einer Stiftungsgründung für diesen Zweck war geboren und wurde maßgeblich durch den damaligen Pastor Michael Hartlieb in Altenbruch vorangebracht. Dieser Gedanke trägt die Aktiven rund um die Orgeln in Altenbruch und Lüdingworth bis heute.

Was motiviert Sie als künstlerischer Leiter, sich ausgerechnet diesen beiden historischen Instrumenten zu widmen?
Duwensee:
Mich beeindruckt das hervorragende Restaurierungsergebnis beider Orgeln durch die Werkstatt Ahrend, mich motiviert der starke Ausdruck zweier „Orgelpersönlichkeiten“ mit historischen Stimmungssystemen und die Chance, sich mit der Fülle nahezu original erhaltener Orgelregister dem Klang der Orgelliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts zu nähern. Dies gilt für Gottesdienst und Konzert und – es bereitet mir einfach Freude!

Wo erleben Sie im Umgang mit der Klapmeyer‑ und der Schnitger‑Orgel den größten künstlerischen Reiz – und wo fordern Sie die Instrumente vielleicht auch heraus?
Duwensee:
Die Beschäftigung mit den Besonderheiten barocker Orgeln erfordert stets aufs Neue die Auseinandersetzung mit dem Instrument und der damit einhergehenden Frage nach klanglicher Realisierung von überlieferter Musik, bis hin zur Transposition bestimmter Kompositionen für Lüdingworth. Diese Orgeln sind die besten Lehrmeister und erfordern eine unterschiedliche Herangehensweise, vor allem auch beim Spiel moderner Musik. Es eröffnen sich immer wieder neue Spielräume – im wahrsten Sinne des Wortes.

Welche Momente, Konzerte oder Projekte der letzten Jahre haben für Sie besonders deutlich gezeigt, was diese Orgeln für die Region bedeuten?
Duwensee: Die Reaktionen der Gäste in Konzerten und Orgelführungen zeigen mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Weitgereiste Studierende bilden sich hier weiter, Musik-Festivals gastieren mit ihren Programmen an unseren Denkmalorgeln. Rundfunkaufnahmen, CD-Einspielungen sowie Internetpräsenz tragen dazu bei, die Orgeln weit über die Grenzen Norddeutschlands hinaus bekannt zu machen und fördern somit den touristischen und fachbezogenen Austausch – national wie international. 

Gibt es noch andere Hinweise auf die Wertschätzung der Orgeln?
Duwensee:
Ja. Ein weiteres Beispiel für die Wertschätzung alter norddeutscher Orgelbaukunst ist die Erstellung einer Kopie der Lüdingworther Orgel in der Marquand Chapel am Yale Institute of Sacred Music in New Haven/USA. Die Region Cuxhaven/Hadeln darf stolz auf ihre wunderbaren Instrumente sein.

Vor welchen Herausforderungen steht die Stiftung aktuell – sei es finanziell, organisatorisch oder in der denkmalgerechten Pflege?
Duwensee:
An dieser Stelle möchte ich die Vorsitzende der Stiftung, Frau Regina Kriebel, zitieren: „Die Finanzierung und Neubesetzung der 0,5 Kirchenmusikerstelle ab 2027 mit einem/er qualifizierten Kirchenmusiker/in nach dem Ausscheiden von Ingo Duwensee zum Wohle und Pflege der Orgeln. Die Suche nach jüngeren, engagierten Mitarbeitern im Stiftungs-Kuratorium für die dort anfallenden Aufgabenfelder.“

Die Begeisterung junger Menschen für Orgelmusik gilt oft als schwer entflammbar. Welche Strategien sehen Sie, um die nächste Generation zu erreichen – und welche ersten Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Duwensee: Das Projekt „Alte Orgeln für junge Menschen“ der Orgelakademie Stade zeigt seit vielen Jahren, dass Kinder und meist eher Jugendliche durchaus an Orgelmusik interessiert sind. Eine sinnvolle Vorgehensweise kann die Einbeziehung von Kita und Schule sein – jedoch bildet dieser Arbeitsbereich keinen Schwerpunkt meiner Tätigkeit. Es bleibt ein schwieriges Feld.

Wenn Sie fünf oder zehn Jahre weiterdenken: Wo sehen Sie die Orgelstiftung dann? 
Duwensee:
Die Orgeln stehen seit Jahrhunderten in unseren Kirchen, die Stiftung geht nun seit 20 Jahren konsequent ihren Weg. Bei Ihrer Frage denke ich an folgenden Gästebuch-Eintrag eines Kirchenmusikstudenten.  Er lautet: „Ich fühle mich beim Spielen dieses schönen Instrumentes um 300 Jahre älter“.

Und wie geht es für Sie weiter als künstlerischer Leiter?
Duwensee:
 Ab Januar 2027 verabschiede ich mich nun endgültig in den Ruhestand, werde mich jedoch ganz privat weiterhin mit Freuden der Musik widmen. Ich wünsche allen Verantwortlichen Besonnenheit, Weitsicht und Bewusstsein für den Erhalt dieses wunderbaren, wertvollen Erbes – sei es in fünf, zehn oder in dreihundert Jahren.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Nach dem Konzert zum Jubiläumsempfang

Mit einem festlichen Jubiläumskonzert feiert das Barock-Ensemble „La Bergamasca“ in St. Nicolai in Altenbruch am Samstag, 30. Mai 2026, sein 30-jähriges Bestehen. Die Musikerinnen und Musiker präsentieren ab 18 Uhr eine Auswahl herausragender Werke aus ihrem Repertoire, darunter Kompositionen von Heinrich Ignaz Franz Biber, Johann Sebastian Bach, Marin Marais, Antoine Forqueray und Antonio Vivaldi mit seiner berühmten „La Folia“.  

Im Anschluss lädt die „Stiftung Historische Orgeln in Altenbruch und Lüdingworth“ anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens herzlich zu einem zwanglosen Empfang unter der Orgel ein. Weitere Infos über die Orgelstiftung gibt es hier: www.orgelstiftung.com.

Der Eintritt zum Konzert beträgt 20 Euro, Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. Karten sind im Vorverkauf bei der Kulturinformation Cuxhaven, der Oliva Buchhandlung Cuxhaven sowie im "Café Löwenzahn" in Altenbruch erhältlich. Weitere Ticketes gibt es an der Abendkasse.