Zwischen Blaulicht und Beistand: Notfallseelsorge schult Feuerwehrleute

Nachricht Cadenberge, 11. September 2026

Es ist dunkel, als der Alarm eingeht: Verkehrsunfall, mehrere Personen, unklare Lage. Wenige Minuten später sind die Feuerwehrleute vor Ort. Blaulicht liegt auf dem nassen Asphalt, aus einem beschädigten Wagen fließt Motoröl. Während die Einsatzkräfte die technische Rettung der Eingeklemmten vorbereiten, sitzt eine junge Frau am Straßenrand. Sie zittert, weint und wiederholt immer wieder denselben Satz: „Ich kann nicht glauben, was passiert ist.“

Wichtige Infos für kräftezehrende Wirklichkeit

In solchen Momenten braucht es mehr als technische und medizinische Hilfe. Es braucht Menschen, die Ruhe vermitteln, zuhören und da bleiben. Genau darum ging es bei einer Schulung der Notfallseelsorge für Feuerwehrangehörige in Cadenberge - wichtige Informationen in Theorie und Praxis für eine oftmals kräftezehrende Wirklichkeit.

Lange Nachwirkungen bei Einsatzkräften und Betroffenen

Ein Einsatz kann nach wenigen Minuten beendet sein. Doch was Einsatzkräfte und Betroffene dabei erleben, kann noch lange nachwirken. Mit der „Ersten Hilfe für die Seele“ beschäftigten sich jetzt 24 Feuerwehrangehörige im Alter von 16 bis 50 Jahren bei einer Schulung der Notfallseelsorge des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Cuxhaven-Hadeln.

Unter Leitung von Pastor Erik Neumann aus Altenbruch fand die Schulung im Rahmen der modularen Grundausbildung (MGA) in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Cadenberge statt. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie diese: Was motiviert mich zur Feuerwehr? Warum traue ich mir diese Aufgabe zu? Und was passiert eigentlich mit Menschen, wenn ein Einsatz ihre bisherige Welt von einem Moment auf den anderen verändert?

Notfallseelsorge wird gemeinsam mit der Polizei informiert

Die Notfallseelsorge wird unter anderem bei schweren Unfällen, Bränden, plötzlichen Todesfällen, Suiziden, Gewaltverbrechen oder beim Überbringen einer Todesnachricht gemeinsam mit der Polizei alarmiert. Ihre Aufgabe ist es, Menschen in akuten Krisen nicht allein zu lassen und ihnen in den ersten schweren Stunden beizustehen.

Unterschiedliche Reaktionen sind zu erwarten

Dabei können ganz unterschiedliche Reaktionen auftreten: Weinen, Wut, Schock, Verstummen oder auch Zittern. Solche Reaktionen sind keine Schwäche, sondern häufig normale körperliche Antworten auf ein außergewöhnliches Ereignis. Entscheidend ist zunächst, Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Deshalb wurde auch die angemessene Kommunikation thematisiert. Zuhören, präsent sein und einfache, klare Worte finden, können in einer solchen Situation viel bewirken. „Ich bin bei Ihnen“ oder „Die Feuerwehr ist da“ geben Halt. Gut gemeinte Sätze wie „Sie müssen jetzt stark sein“ helfen dagegen oft nicht weiter.

Eigenschutz gehört zum Handwerk der Feuerwehr

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Belastung der Einsatzkräfte. Bilder, Geräusche oder Gerüche können sich einprägen und später wieder auftauchen. Deshalb gehört auch Eigenschutz zum Handwerk. Das sogenannte Buddy-System erinnert daran, während und nach einem Einsatz nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf die Kameradinnen und Kameraden zu achten.

Johannes Drechsler, Pfarrverwalter i.A., Kirchengemeinde An der Oste

Alle können mitmachen

Die Notfallseelsorge steht allen Menschen offen – unabhängig von Konfession oder Religion. Sie ergänzt damit die technische und medizinische Hilfe um eine andere, nicht weniger wichtige Form der Unterstützung: Beistand für Menschen, wenn das Leben plötzlich aus den gewohnten Bahnen gerät. Ansprechpartner für die Notfallseelsorge im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln ist Pastor Erik Neumann. Er ist telefonisch erreichbar unter 04722-2901, E-Mails erreichen ihn unter dieser Anschrift: erik.neumann@evlka.de