Cuxhaven gestaltet Kirche neu: Fusion mit Blick auf morgen

Nachricht Cuxhaven, 27. Mai 2026

Fusion Cux

Die fünf Cuxhavener Innenstadtgemeinden St. Gertrud, St. Petri, Emmaus, Martin und Gnaden arbeiten daran, am 1. Januar 2027 zu einer neuen gemeinsamen Kirchengemeinde zu fusionieren. Dieser Schritt soll nicht nur organisatorische Fragen lösen, sondern auch eine Kirche sichern, die in der Stadt lebendig, ansprechbar und tragfähig bleibt. Über die Hintergründe, Chancen und Herausforderungen sprechen Pastorin Dr. Sabine Manow, Pastorin Martina Weber und Pastor Detlef Kipf.

Säkularisierung, Mitgliederschwund, Regionalisierung – Kirche erfährt derzeit große Veränderungen. Auch in Cuxhaven. Was hat die fünf Ev.-luth. Innenstadtgemeinden dazu bewogen, sich auf den Weg einer Fusion zu machen und am Ende eine neue, gemeinsame Gemeinde zu bilden?

Pastorin Dr. Sabine Manow: Die Gemeindegliederzahlen sind so stark zurückgegangen, dass die einzelnen Gemeinden nicht mehr lebensfähig sind. Vor allem zeigt sich das daran, dass die vielfältigen Aufgaben mit den vorhandenen Geldern nicht mehr bewältigt werden können. In der Folge müssen Pfarrstellen eingespart werden. Für die fünf bestehenden Innenstadtgemeinden Cuxhavens wird es künftig nur noch drei Pfarrstellen geben. Hinzu kommt, dass die wenigen noch vorhandenen Pfarrstellen nur noch mit großen Schwierigkeiten besetzt werden können, da sich nur noch wenige Menschen für ein Theologiestudium entscheiden.
Pastorin Martina Weber: Die Pfarrstellensituation der Innenstadtgemeinden verändert sich sehr durch die anstehende Pensionierung dreier Kolleg:innen. Da wir bereits im Verbundenen Pfarramt arbeiten, erschien nun der Schritt der Fusion als logisch und sinnvoll. Für die dann entstehende eine Gemeinde gibt es die Hoffnung, dass sie zeitgemäß ins Cuxhavener Leben hineinwirken kann.
Pastor Detlef Kipf: Wir haben die Erfahrung machen müssen, dass es nach vielen Sparrunden nur noch im Zusammengehen weitergehen kann. Bei allem Schmerz, Liebgewonnenes und Selbstverständliches zurücklassen zu müssen, überwiegt die Zuversicht, dass es so gelingen kann, als Kirche handlungsfähig zu bleiben.

Welche Chancen ergeben sich durch den Zusammenschluss – und zwar ganz konkret für die Menschen in der Stadt und für die neue, fusionierte Gemeinde?

Manow: Eine Fusion ermöglicht uns stabile Strukturen, die tragfähig bleiben. Ein breites Angebot kann aufrechterhalten werden. Es können Schwerpunkte gebildet werden. Es muss nicht mehr jede Gemeinde alles machen.
Weber: Wir können Abläufe besser bündeln und Zuständigkeiten klarer kommunizieren. Nach vollzogener Fusion wird hoffentlich neue Kreativität und Strahlkraft freigesetzt. Vielleicht entstehen neue Gottesdienstformen neben den bewährten; zugleich bleibt mehr Zeit für den persönlichen Kontakt und für neue Angebote, die gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden.
Kipf: Ich denke, dass Chancen erst noch ausgelotet werden müssen. Etwas zeigt sich aber jetzt schon: Wenn die Kirche im Dorf bleiben soll, dann muss das Dorf auch in der Kirche bleiben. Der Zusammenschluss ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Mitgliederzahlen zurückgegangen sind. Wir können uns weder ein "weiter so", noch ein "mir doch egal" leisten.

Viele erleben Kirche vor allem als Ort der Begegnung. Wie soll dieser offene Charakter in der neuen Gemeinde erhalten und vielleicht sogar stärker sichtbar werden?

Manow: Es können Leuchtturmprojekte realisiert werden. Auf diese Weise erfahren Menschen wieder stärker Gemeinschaft in größeren Gruppen. Das hat sich bereits bei den Ostergottesdiensten in diesem Jahr gezeigt; die einzelnen Gottesdienste waren deutlich stärker besucht.
Weber: Durch ein klar kommuniziertes gemeinsames Konzept für Gottesdienste, Konfirmand:innenunterricht und andere Gemeindeveranstaltungen sind wir besser aufzufinden. Durch klare Zuständigkeiten ist es leichter, uns gezielt anzusprechen. Eine schlankere, qualitativ hochwertige und zeitgemäße Gottesdienstlandschaft soll außerdem vor und nach den Gottesdiensten genügend Raum für Begegnung lassen.
Kipf:  Für mich ist wichtig, dass Gottesdienste und Veranstaltungen nicht einfach dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen. Haltekräfte werden wir nur da entwickeln, wo es Räume zum Aufhalten und Angebote zum Festhalten gibt.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger – auch jene, die vielleicht seltener in den Gottesdienst gehen – an diesem Prozess der Fusion beteiligen und ihre Vorstellungen von Kirche in der Stadt in die neue Gemeinde einbringen?

Manow: Es wird am 1. Juni 2026 eine Gemeindeversammlung geben. Dort ist auch reichlich Raum für Anregungen und Bedenken.
Weber: Sprechen Sie mich einfach an und erzählen Sie mir, was Sie sich wünschen. Was fehlt bisher, was soll unbedingt erhalten bleiben? Wo ergeben sich neue Kooperationsmöglichkeiten, und wo finden Sie Ihren Platz in der neuen Gemeinde? Das interessiert mich sehr. Einladung zur Gemeindeversammlung am 1.6. um 19 Uhr in St. Petri: Auch dort ist ein Ort des Mitgestaltens und der Information.
Kipf: Indem die Fusion die dafür notwendige Zeit bekommt, um Menschen gedanklich und mit dem Herzen dabei sein zu lassen. Die Seelen müssen mitkommen. Wenn wir immer nur losstürmen, um Fristen einzuhalten, werden wir zu viele Menschen atemlos zurücklassen, die nicht Schritt halten können. Damit ist dann letzten Endes keinem geholfen und es wäre doch schön, wenn die Fusion ein für alle hilfreicher Weg wäre. 

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Veranstaltung mit Infos

Eine Informationsveranstaltung zur Fusion der fünf Innenstadtgemeinden in Cuxhaven ist am Montag, 1. Juni 2026, geplant. Alle Bürgerinnen und Bürger sind um 19 Uhr herzlich im Gemeindehaus von St. Petri, am Strichweg 40a in Cuxhaven, willkommen.

Superintendentin Kerstin Tiemann freut sich auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher und begrüßt es, dass die fünf Kirchengemeinden den geplanten Fusionsprozess mit Entschlossenheit gemeinsam beschreiten.