Mutig, stark und beherzt: Wo Vertrauen ins Boot steigt

Nachricht Otterndorf, 31. August 2026

Als der Sturm kommt, haben selbst die Jünger Angst. Das Wasser schlägt gegen das Boot, der Wind wird stärker, und niemand weiß, wie diese Fahrt enden wird. Nur einer bleibt ruhig: Jesus. Er steht auf, gebietet dem Wind und dem See Einhalt – und plötzlich wird es still. „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch kein Vertrauen?“, fragt er seine Jünger.

Die Kleinen hören mit großen Augen zu

Fast zweitausend Jahre später wird diese Geschichte in der St.-Severi-Kirche in Otterndorf lebendig. Jungen und Mädchen sitzen gemeinsam mit Pastoren, Diakonen sowie Helferinnen und Helfern im Altarraum auf dem Boden. In ihrer Mitte: ein symbolisches Boot. Gebannt lauschen sie Diakonin Corinna Buchhorn, die von jenem fürchterlichen Sturm auf dem See Genezareth erzählt. Die Kinder hören von den großen Augen der Jünger, von ihrer Angst – und von Jesus, der ihnen zeigt, dass Vertrauen stärker sein kann als Furcht.

Vorfreude auf Spiele und Aktionen wächst

Auch Emilia aus Otterndorf hört aufmerksam zu. Man sieht der Zehnjährigen an, dass sie die Geschichte gepackt hat. Vielleicht ahnt sie schon, dass es an diesem Tag um mehr geht als um eine spannende Geschichte und die Spiele und Aktionen, auf die sie sich ebenso freut wie die anderen. „Mutig. Stark. Beherzt.“ lautet das Motto des zweiten regionalen Kinderkirchentags im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln.

Pastorin Meike Müller-Bilgenroth, die Diakoninnen Corinna Buchhorn und Ruth Wiarda sowie Regionaldiakon Henning Elbers haben gemeinsam mit der Kirchengemeinde viel Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt. Sie wollen den Kindern etwas mitgeben, das sie auch dann trägt, wenn in ihrem eigenen Leben einmal ein Sturm aufzieht: Vertrauen. Den Mut, sich etwas zuzutrauen. Die Gewissheit, nicht allein zu sein. Und einen Glauben, der ihnen Kraft gibt.

Ein kniffliger Balanceakt

Draußen vor der Kirche und im Gemeindehaus gegenüber wird an sechs Stationen spielerisch und kreativ erfahrbar, was es bedeutet, mutig, stark und beherzt zu sein. Da ist zum Beispiel der Hindernisparcours, den die Kinder nur bewältigen können, wenn sie sich aufeinander verlassen. Marie und Antje klemmen sich einen Ball zwischen den Rücken und versuchen, damit die Stühle zu umkurven. Gar nicht so einfach. Aber es funktioniert – wenn beide aufeinander achten und zusammenhalten.

Das engagierte Kinderkirchenteam aus Neuenkirchen leitet die Kinder an. Janne, Amelie und Marie sind voll in ihrem Element. „Das macht großen Spaß“, sagen die Mädchen und lachen.

Spontaner Einfall

Und dann ist da noch das alte Boot. Eine Barkasse, die bei Familie von Twistern in Neuenkirchen lange ungenutzt herumstand, wird an diesem Tag zur wohl ungewöhnlichsten Station des Kinderkirchentags. Pastorin Meike Müller-Bilgenroth gibt dem farb- und schmucklosen Gefährt kurzerhand einen neuen Namen: Aus dem „Boot des Grauens“ soll das „Boot des Vertrauens“ werden. Gesagt, getan.

Luna, Bela und Emilia greifen – mutig und beherzt – zu den Pinseln. Allmählich entstehen fröhliche Motive auf den alten Bootswänden. Emilia weiß genau, was noch fehlt. „Ich mal noch eine Blume hierhin“, sagt sie und setzt den Pinsel an.

Kreative Verwandlung

Auch die „Großen“ machen mit. Ines Buck aus Steinau, Caja aus Otterndorf und Hjördis Ahlf haben ebenso Freude an der kreativen Verwandlung des Bootes wie Pastorin Franziska May und Pastor Axel Scholz. Die beiden sind auf dem Gelände unterwegs, sehen nach dem Rechten und helfen, wenn irgendwo eine Hand gebraucht wird. Vor allem aber bleibt das Bild der Kinder hängen, die gemeinsam an dem alten Boot arbeiten.

In der Pause gibt es Wassermelonen, Muffins und Kuchen. Später kommen die Eltern vorbei, schauen sich an, was ihre Kinder geschaffen haben, und feiern mit ihnen.

Ein eigenes Bild

So bekommt dieser Kinderkirchentag mit und mit sein eigenes Bild: Mädchen und Jungen, die einander helfen, gemeinsam lachen, ausprobieren und etwas Neues schaffen. Kinder, die erfahren, dass Mut wachsen kann, wenn man nicht allein ist. Dass Stärke auch darin liegen kann, sich auf einen anderen zu verlassen. Und dass Vertrauen trägt.
Emilia hat sich in das „sanierte“ Boot verliebt. Eine weitere Blume hat sie zwischen die anderen „gepflanzt“ und noch manchen kleinen Farbtupfer gesetzt.

Darauf vertrauen, dass einer mit im Boot ist

Und plötzlich macht der Wind, der an diesem Tag immer wieder über das Kirchengelände gefegt ist, eine Pause. Für einen kurzen Augenblick ist es still. Fast so, als würde auch der Wind zuhören. Irgendwo zwischen Kirche, Boot und Kinderlachen wird spürbar, worum es an diesem Tag eigentlich geht: Mutig sein. Stark sein. Beherzt sein. Und darauf vertrauen, dass einer mit im Boot ist.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln