Seit 200 Jahren ein Ort der Erinnerung und der Hoffnung

Nachricht Cuxhaven, 15. August 2026

200 Jahre Friedhof der Martinskirche – eigentlich ein Grund zur Freude für die Kirchengemeinde in Cuxhaven. Doch der tragische Unfalltod von Pastorin Dr. Sabine Manow vor wenigen Wochen hat die Vorbereitungen aufs Jubiläum in Ritzebüttel verändert. „Wir wollten uns trotzdem nicht entmutigen lassen“, sagt Cornelia Uppendahl, Vorsitzende des Kirchenvorstands. Vieles von dem, was nun geplant wird, hat mit Sabine Manows Ideen für die künftige Gestaltung des Friedhofs zu tun.

"Hier sind noch die Gräber der ersten Beisetzungen zu sehen"

Die kleine Gruppe vom Festausschuss bleibt immer wieder stehen: An Gräbern, an Denkmälern, an Stellen, an denen Geschichte sichtbar wird. Pastor Stefan Bischoff, Cornelia Uppendahl, Carl Meier, Vorsitzender des Friedhofsausschusses, und Friedhofsverwalter Jens Büter sind an diesem Tag gern unterwegs. „Hier sind noch die Gräber der ersten Beisetzungen zu sehen“, sagt Büter und verweist auf einen grauen Stein. Der erinnert an Heinrich Walther, seinerzeit Pastor zu Ritzebüttel, an seine Frau und seine Tochter.

Ein paar Meter weiter liegen die alten Amtmannsgräber: sechs  Grabkammern in zwei Dreierreihen. Ein mächtiger Blickfang an zentraler Stelle. Tatsächlich fand dort jedoch nur ein Amtmann seine letzte Ruhe: Andreas Christian Wolters, der 1827, nur wenige Monate nach seinem offiziellen Amtsantritt im Amt Ritzebüttel, verstarb. Seine Grabstätte ist bis heute erhalten.

Weiter geht's zum goldenen Doppeladler

Der Rundgang führt weiter zum goldenen Doppeladler, der auch von der Südersteinstraße hinter der Friedhofsmauer zu sehen ist. Die österreichische Kriegsgräberstätte erinnert an ein Kapitel, das weit über Ritzebüttel hinausweist. Nach dem Seegefecht von 1864 wurden auf dem Friedhof Matrosen der österreichischen Fregatten „Schwarzenberg“ und „Radetzky“ bestattet.

Der vergoldete Stein strahlt im Sonnenlicht

Zwei Jahre später entstand auf Veranlassung Kaiser Franz Josephs der noch heute vorhandene, hoch aufragende Obelisk. Sonnenstrahlen fallen durch das Geäst und lassen den teilweise vergoldeten Stein aufleuchten. „51 österreichische Seeleute haben damals ihr Leben im Seegefecht gegen Dänemark vor Helgoland verloren“, erinnert Pastor Bischoff.

Die Sommersonne bricht durchs Geäst, der goldene Doppeladler der österreichischen Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof erstrahlt.

Auch solche Spuren der Vergangenheit gehören zum Jubiläumsprogramm. Das Programm beginnt am Samstag, 22. August, um 12 Uhr im Gemeindehaus am Ritzebütteler Marktplatz.
Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Santjer folgen unter anderem Vorträge von Anna Brandt, Archivarin im Stadtarchiv Cuxhaven, und von Carl Meier zur Zukunft des Friedhofs sowie ein fachkundig geführter Rundgang übers Jubiläumsgelände mit Jens Büter. Dazwischen gibt es eine Suppe zum Mittagessen und danach Kaffee und Kuchen.

Der Friedhof ist kein Museum

Dabei soll immer wieder deutlich werden: Der Friedhof ist kein Museum. Hinter den Namen auf den Steinen stehen Menschen, Familien und Lebensgeschichten. „Hier ist ein Ort der Trauer, hier ist ein Ort, um die Verbundenheit mit den Verstorbenen auszudrücken“, sagt Pastor Stefan Bischoff.

Tod und Leben sind verbunden

Der Ritzebütteler Friedhof erzählt seit zwei Jahrhunderten davon, wie eng Tod und Leben miteinander verbunden sind. Der damalige Amtmann Martin Hieronymus Schrötteringk ließ ihn 1826 anlegen; am 26. November wurde er offiziell geweiht. Der neue Begräbnisplatz entstand, nachdem mit der Martinskirche 1819 ein eigenes kirchliches Zentrum in Ritzebüttel entstanden war. Bis dahin mussten die Gemeindeglieder in St. Abundus Groden die Gottesdienste besuchen und ihre Toten dort begraben.

Gelände wurde mehrfach erweitert

Seitdem hat sich die Stadt verändert – und mit ihr der Friedhof. 1894 wurde das Gelände nach Süden erweitert, 1952 noch einmal nach Westen. Heute umfasst der kirchliche Friedhof rund 2,5 Hektar mit insgesamt 4000 Grabstellen. Friedhofskapelle und Verwaltungsgebäude stammen aus dem Jahr 1968.

Direkt am Haupteingang zum Marktplatz geht es inzwischen auch um die Zukunft des Friedhofs. Das Verwaltungsgebäude soll demnächst abgerissen werden. „An seiner Stelle wird voraussichtlich im nächsten Jahr ein Ort der Stille entstehen, mit Bänken und Bäumen“, sagt Carl Meier.

Feierlichkeiten fallen schlicht aus

Es ist ein Projekt, das auch Sabine Manow zu Lebzeiten vorantreiben wollte. Ihr Tod macht die Frage nach der Zukunft des Friedhofs für die Verantwortlichen noch einmal persönlicher.
Trotz des schweren Verlustes von Pastorin Dr. Sabine Manow soll das Jubiläum stattfinden. Die Veranstaltung am Samstag fällt allerdings schlichter aus, als es ursprünglich geplant wurde. Am Sonntag, 23. August, predigt Superintendentin Kerstin Tiemann im Festgottesdienst zum 200-jährigen Bestehen des Friedhofs um 9.30 Uhr in der Martinskirche.

Sabine Manow wird fehlen

200 Jahre Friedhof Ritzebüttel sind 200 Jahre Abschied und Erinnerung. In diesem Jahr gehört zu dieser Geschichte auch der Abschied von Sabine Manow. Sie wird bei diesem Jubiläum an vielen Stellen fehlen – und zugleich in Gesprächen, Gedanken und Plänen dabei sein.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Chronik

  • 1816 bis 1819: Bau der Martinskirche (benannt nach Martin Luther) auf dem Gelände der ehemaligen Vorwerke des Amtshauses.
  • 22. August 1819: Einweihung der Martinskirche; Ritzebüttel wird kirchlich von Groden getrennt und selbstständig.
  • 1826: Anlage des neuen Friedhofs östlich beziehungsweise nahe der Martinskirche.
  • 26. November 1826: Weihe des Friedhofs in feierlichem Rahmen.
  • 1826: Als erstes Begräbnis gilt die Beisetzung der Ehefrau des Pastors Walther.
  • 1827: Der Amtmann Andreas Christian Wolters wird als Einziger in den Amtmannsgräbern bestattet. Fünf der sechs Grabkammern bleiben leer.
  • 11. Mai 1864: Beisetzung von 51 österreichischen Gefallenen des Seegefechts bei Helgoland.
  • 1865: Das Bleichen von Wäsche auf den freien Grabflächen wird untersagt.
  • 1866: Errichtung des österreichischen Tegetthoff-Denkmals in Obeliskenform; die Namen der Gefallenen werden auf dem Denkmal festgehalten.
  • 1879: Mit Inkrafttreten der Landesgemeindeordnung endet die bis dahin übliche Nutzung von Friedhöfen für Gerichtstermine, Verkäufe und Versteigerungen.
  • 2. März 1894: Erweiterung des Friedhofs nach Westen wegen des anhaltenden Bevölkerungswachstums.
  • 1931: Mit der Eröffnung des städtischen Friedhofs in Brockeswalde verliert der Ritzebütteler Friedhof seine Bedeutung als zentraler Friedhof der Cuxhavener Innenstadt.
  • Zweiter Weltkrieg: Friedhofskapelle und Verwaltungsgebäude am früheren Haupteingang werden durch einen Luftangriff zerstört.
  • 1952: Erweiterung des Friedhofs nach Süden; das Friedhofsbüro wird zunächst im ehemaligen Meierhaus des Karstenschen Vorwerks eingerichtet.
  • 9. Mai 1964: Erneuerung des Tegetthoff-Denkmals zum 100. Jahrestag des Seegefechts.
  • 1975: Der gestohlene österreichische Doppeladler auf dem Denkmal wird erneuert.
  • 3. April 1968: Einweihung des Neubaus mit Leichenhalle und Verwaltungsbüro am westlichen Friedhofseingang.
  • Heute: Der Friedhof umfasst rund 2,5 Hektar und gehört mit rund 4000 Grabstätten zur Martinskirchengemeinde; zu seinen Besonderheiten zählen die Amtmannsgräber, die österreichische Kriegsgräberstätte, Ehrenmale und Soldatengräber.