Auch für Linus wird das Deichcamp zum Sommerglück

Nachricht Altenbruch, 17. Juli 2026

Linus steht in der ersten Reihe, die Hände über dem Kopf gefaltet, und singt mit den anderen von einem Engel, der abends und morgens über alle wacht. Der Zehnjährige strahlt. Vor ihm sitzen rund 70 Kinder auf dem Zeltboden. Der Sommertag beginnt mit Musik, Bewegung und einem Gedanken, der Mut machen soll. In Altenbruch ist wieder Deichcamp.

Ankommen, Durchatmen, Dazugehören

Drinnen erklingt die Gitarre, draußen wartet das Abenteuer. Die Kinder sind zwischen sieben und elf Jahre alt, sie klatschen und singen. Viele sind sofort mittendrin, andere schauen erst einmal vorsichtig, was um sie herum passiert. Genau dafür ist dieser Ort hinterm Elbedeich da: zum Ankommen, zum Durchatmen, zum Dazugehören.

Ein Miteinander, das stärken soll

Manche der Jungen und Mädchen erleben im Alltag Belastungen, die andere in ihrem Alter kaum kennen. Im Deichcamp sollen sie für ein paar Tage etwas anderes erfahren: Verlässlichkeit, Gemeinschaft und unbeschwerte Ferien.Der Leitgedanke „Anfänge des Glaubens“ bekommt hier eine überais konkrete Form - nicht als großes Wort, sondern in einem wertschätzenden Miteinander, das stärken soll.

Zusammenspiel aus Pädagogik, Erfahrung und Herzenswärme

Matthias Schiefer und sein Team gestalten diese Tage mit viel Gespür für die Kinder. Mit dabei sind Henning Elbers, Silke Marx, Corinna Buchhorn und rund 15 Teamerinnen und Teamer. Sie hören zu, spielen mit, trösten, lachen, organisieren und behalten zugleich den Überblick. Was auf den ersten Blick nach unbeschwertem Ferienlager aussieht, ist ein sorgfältig getragenes Zusammenspiel aus Pädagogik, Erfahrung und Herzenswärme.

Ein Kind ist für 30 Euro rundum versorgt

„Uns ist egal, wo die Kinder herkommen“, betont Schiefer. Entscheidend sei, dass sie hier einen Ort finden, an dem sie willkommen sind. Besonders Familien, die Unterstützung brauchen, sollen sich dieses Angebot leisten können. Dank der Förderung durch Landeskirche, Landkreis und Kirchenkreis zahlen Eltern nur 30 Euro pro Woche, und die Kinder sind rundum versorgt. „Wir wollen allen Kinder Teilhabe ermöglichen und unbeschwerte Ferienerlebnisse schaffen.“

"Gute Kooperation mit den Müttern und Vätern"

Der Kreisjugenddiakon hebt die gute Kooperation mit den Müttern und Vätern hervor. „Sie tragen den Grundgedanken des Deichcamps mit und unterstützen uns, wo sie können“, sagt Schiefer unter Hinweis darauf, „dass der eine oder andere Elternteil sein Kind sogar abends mal abholt, wenn das Heimweh zu groß wird und es am nächsten Morgen wieder pünktlich zurückbringt“.

"Mehr schaffen wir kaum noch"

Mit den Jahren ist das Deichcamp – mittlerweile das 14. seiner Art - weit über den Kirchenkreis hinaus bekannt geworden. 140 Kinder in zwei Wochen - das ist eine Größe, die die Organisatoren der Evangelischen Kirchenjugend jedes Jahr neu fordert. „Mehr schaffen wir kaum noch“, sagt Schiefer. Nicht nur personell, auch finanziell bewege man sich längst an Grenzen. Rund 25.000 Euro koste das Camp inzwischen. Ohne Unterstützung von Landeskirche, Landkreis, Kirchenkreis und weiteren Spendern wäre es nicht zu stemmen.

Verlässliche Ferien vor der eigenen Haustür

Gerade darin zeigt sich, wie wichtig dieses Angebot ist. Die Nachfrage bleibt hoch, weil das Deichcamp etwas bietet, das für viele Familien alles andere als selbstverständlich ist: Ferien vor der Haustür, verlässlich, niedrigschwellig und bezahlbar. Hier können Kinder zelten, spielen, basteln, singen und unterwegs sein. Vor allem aber erleben sie Gemeinschaft – und Erwachsene, die ihnen Zeit schenken, ihnen etwas zutrauen und ihnen aufmerksam begegnen.

„Heute müssen wir das anders erzählen“

Nach dem gemeinsamen Eröffnungslied an diesem Morgen richtet sich der Blick der Mädchen und Jungen auf die Leinwand im Zelt. Glaubensimpulse mit Handpuppen flimmern dort als selbst gedrehter Film. Früher, erzählt Silke Marx, hätte man mit Handpuppen noch Theater gespielt. „Heute müssen wir das anders erzählen.“ Die Sehgewohnheiten der Kinder hätten sich verändert, zumeist auch ihre Konzentration.

„Man kann sicher nicht alles auf soziale Medien schieben“, sagt die Diakonin. „Aber Kinder wachsen aktuell in einem Umfeld auf, das von mehr Reizen geprägt ist, denn je.“

„Handys müssen auf jeden Fall draußen bleiben“

Vielleicht sind Orte wie das Deichcamp auch deshalb so wichtig. Orte, an denen Kinder erst einmal zur Ruhe kommen können. An denen das, was sie von zu Hause mitbringen, für ein paar Stunden in den Hintergrund tritt. An denen Vertrauen wachsen kann. „Handys müssen auf jeden Fall draußen bleiben“, sagt Matthias Schiefer.

Draußen warten auch auf Linus neue Abenteuer

Linus scheint das nicht schwerzufallen. Als die Morgenrunde im Zelt beendet ist, rennt er mit den anderen hinaus ins Freie. Draußen warten neue Abenteuer. In Altenbruch ist wieder Deichcamp.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln