Sanierung von St. Georg – alte Kirche wird stark gemacht für die Zukunft

Nachricht Oberndorf, 01. April 2026

Die Kirche am Fluss ist feucht, das Mauerwerk „blüht“ seit vielen Jahren. Sanierung muss sein: ein wichtiges Projekt, eine handwerkliche Herausforderung und eine große Anstrengung für alle Beteiligten. Am 31. Mai 2026 sollen sich die Türen um 16 Uhr wieder öffnen, um Gottesdienst zu feiern.

Noch ist das Gemeindehaus notwendiges Ausweichquartier

Anja Asendorf ist fast jeden Tag in der Kirche, auch an diesem Nachmittag Ende März. Die Vorsitzende des kleinen Kirchenvorstands verfolgt die großen Arbeiten aufmerksam, beobachtet jede Veränderung, jeden Fortschritt. Seit Juni vergangenen Jahres, kurz nach Pfingsten, schaffen Handwerker am Gemäuer nahe der Oste. Seither dient das Gemeindehaus als provisorisches Ausweichquartier.

Zur Vorbereitung der Sanierung wurde im sechs Meter hohen Kirchensaal zunächst alles Abnehmbare abgebaut, eingerüstet oder eingelagert: der Taufengel, die Bänke, der Hochaltar, die Orgel. Erst dann konnten die Fachleute dem Putz zu Leibe rücken, der seit Jahren kontinuierlich abgeplatzt war.

Das war nichts für empfindliche Ohren

Es staubte gewaltig, und das fortwährende Hämmern war nichts für empfindliche Ohren. Doch der Einsatz lohnt sich, auch wenn noch nicht alles fertig ist.„Die Wände wirken nun weiß und einladend, nicht mehr dunkel und kahl“, sagt Anja Asendorf, während sie die knarrende Empore zur Orgel hinaufsteigt. „Blühender Klinkerstein“, fügt sie kopfschüttelnd hinzu, „war einer Kirche nicht mehr würdig.“ Von außen ist das Mauerwerk bereits verfugt. Auch dort hat die Nässe deutliche Spuren hinterlassen.

„In Kürze wird rund um das Gebäude, dessen Entstehung auf das Jahr 1653 zurückgeht, ein Graben ausgehoben, um die Fundamente zu versiegeln“, berichtet die 62‑Jährige und schaut interessiert übers Geländer der Empore nach unten.
Dort arbeiten Jean Salvagnac und Joscha Caroll, Gesellen der Firma Uhtenwoldt aus Oberndorf, mit Fleiß und Ausdauer am neuen Elektronikkasten.

Tag und Nacht wird Feuchtigkeit entzogen

Hoch über ihren Köpfen rauscht neben der sorgsam verpackten Orgel die Lüftung. Ein silberner Schlauch saugt Tag und Nacht Feuchtigkeit aus dem Inneren des markanten Wahrzeichens. Das ist jedoch nur ein Provisorium. Später wird eine hochmoderne Belüftung eingebaut. Was sein muss, muss sein.

Die Arbeiten sind gewaltig, auch finanziell: Rund 530 000 Euro kostet die Sanierung von St. Georg. Etwa 60 000 Euro übernimmt der Kirchenkreis, den größeren Teil trägt die Landeskirche. „Wir sind froh und dankbar für die Unterstützung“, sagt Asendorf, die mit Kirchenvorstand und Pastoren ungezählte Stunden investiert hat, um grünes Licht für die Sanierung zu erhalten. Besonders schätzt sie die verlässliche Begleitung von Küsterin Yvonne Sieb, die die Baustelle im Blick behält.

"Wir müssen immer wieder handeln"

Bei einer Baubegehung im Jahr 2012 wurde Anja Asendorf klar: „Wir müssen immer wieder handeln.“ Frisch in den Kirchenvorstand gewählt, sah sie – wie andere auch – das Problem: Überall löste sich der Putz. St. Georg brauchte dringend Hilfe. Expertise kam unter anderem von Professor Dr. Thorsten Albrecht von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, dazu Bauskizzen, Finanzpläne und Anträge. Immer wieder Anträge.

Ersehnte Zusage kam Ende Oktober 2024

Unterstützt wurde der Kirchenvorstand von Pastor Uwe Beuermann, inzwischen pensioniert, und seinem Kollegen Klaus Volkhardt. Ende Oktober 2024 kam schließlich die ersehnte Zusage aus dem Amt für Bau‑ und Kunstpflege in Verden sowie aus dem Kirchenamt in Bremerhaven.

Darüber freut sich heute auch Tileman Wiarda, seit September 2025 neuer Pastor in Oberdorf. Gemeinsam mit Anja Asendorf, Annegret Tiedemann, Uta Scholvin und Kerstin Engelbrecht vom Ortskirchenvorstand blickt er hoffnungsvoll voraus. „Wir haben im hinteren Teil der Kirche auf jeder Seite drei Bänke herausgenommen“, erzählt der 51‑Jährige. Der Raum soll künftig auch anderen Anlässen dienen: Tauf‑, Konfirmanden‑ oder Hochzeitsgesellschaften, Klönschnack‑ und Kinderspielnachmittagen.

Gotteshaus darf nicht in Dornrösenschlaf fallen

„Die Kirche stand immer im Mittelpunkt des Dorfes“, sagt Wiarda, „sie soll wieder im Mittelpunkt des Lebens derer stehen, die hier wohnen.“ Man sei sich einig: Das Gotteshaus dürfe nach der Sanierung nicht in Dornröschenschlaf fallen.

Bis sich die Türe am 31. Mai wieder öffnen...

Bis dahin bleibt viel zu tun. An der Pforte trifft Asendorf die beiden Gesellen von Uhtenwoldt, die für heute Feierabend machen und alte Elektrokabel zum Auto tragen. „Wir sehen uns“, ruft sie ihnen nach. Morgen ist Anja Asendorf wieder da. Und übermorgen auch – bis sich die Türen am 31. Mai 2026 um 16 Uhr wieder öffnen.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln