Während viele Kirchengemeinden mit sinkenden Besucherzahlen und schwindender Bindung kämpfen, erlebt die evangelische Urlauberseelsorge in Cuxhaven das Gegenteil. Menschen nehmen sich im Urlaub Zeit für Gespräche, Gottesdienste, Segnungen und die großen Fragen des Lebens. Urlauberpastorin Maike Selmayr erklärt, warum ausgerechnet die Ferien für viele zu einer offenen Tür zum Glauben werden.
Was trägt Sie nach all den Jahren unentwegten Engagements für die Urlauberseelsorge noch? Gibt es ein Bild, das Ihnen Kraft schenkt?
Maike Selmayr: Die Duhner Kapelle als ehemalige Scheune (Baujahr 1860, Kapelle seit 27.06.1952) ist für mich ein geistlicher Kraftort, der mein Herz erobert hat und mich bleiben lässt. Jesus ist in einem einfachen Stall zur Welt gekommen. Auch in dieser schlichten Kapelle hinter dem Deich wird seine Gegenwart für viele Menschen spürbar. Dazu darf ich mit meinem Team Raum geben und einladen. Ich darf miterleben, wie Gottes Gegenwart heilsam Herzen bewegt, versöhnt und zum Klingen bringt – auch meines. Das macht zufrieden und lässt mich in Duhnen bei Gott und den Menschen zuhause sein.
Wie erklären Sie jemandem, der die Urlauberseelsorge noch nicht kennt, warum diese so wichtig ist?
Selmayr: Urlaubszeit ist für viele Menschen unserer Zeit „Heilige Zeit“. Das steckt im englischen Wort „holiday“ drin. Früher war der Sonntag die von Gott geschenkte Auszeit. Heute unterbricht oft nur noch der Urlaub den Alltag, schenkt Abstand von dem, was einen antreibt, beschäftigt und erschöpft. Urlaub hilft, der Seele Raum zu geben und neue Perspektiven zu gewinnen. Genau hier setzt die Urlauberseelsorge mit ihrem vielfältigen Angebot an.
Was suchen Menschen im Urlaub besonders häufig – bewusst oder unbewusst?
Selmayr: Viele Menschen suchen Ruhe, Orientierung und neue Kraft. Die Urlauberseelsorge lädt ein zum Hinhören, Nachdenken, ins Gespräch kommen, Mitmachen, Kreativwerden und Seele-baumeln-Lassen. Kirche kann Menschen im Urlaub mit der frohmachenden Botschaft von der Liebe Gottes erreichen, weil viele offen sind, anders hinzuhören, etwas auszuprobieren und sich dort ansprechen zu lassen, wo sie niemand kennt.


