Wenn Hass zum Weltbild wird: Erinnerung an Reichsprogromnacht

Nachricht Hemmoor, 29. Oktober 2026

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht verbindet eine Veranstaltung am Montag, 9. November 2026, in Hemmoor die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus mit der Auseinandersetzung über heutigen Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt steht ein Psychothriller über die Entstehung radikalen Denkens – und die Verantwortung von Familie und Gesellschaft.
Wie entsteht rechtsextremes Denken? Und was geschieht, wenn junge Menschen in einem Umfeld aufwachsen, das von Hass und Ausgrenzung geprägt ist? Mit diesen Fragen setzt sich die szenische Lesung „ICH, die Finsternis!“ auseinander. Sie beginnt am Montag, 9. November, um 19.30 Uhr in der Kapelle an der St.-Michaelis-Kirche in Hemmoor, Ortsteil Basbeck. Bereits um 19 Uhr lädt Pastorin Martina Wüstefeld zu einer Gedenkandacht ein. Der Eintritt ist frei.

Ein fiktiver Psychothriller mit realen Vorbildern

Im Zentrum des Romans steht ein 18-Jähriger, der in einer völkisch geprägten Familie aufwächst und zunehmend mit seinem Geschichtslehrer in Konflikt gerät. Autor Carsten Degenhardt hat sich fast fünf Jahre lang mit völkischen Gemeinschaften beschäftigt. Seine Recherchen flossen in einen fiktiven Psychothriller ein, dessen Ideologie und Argumentationsmuster auf realen Vorbildern beruhen.

Bengta Brettschneider, Sascha Langbehn und Julia Patjens lesen

Die Lesung mit Bengta Brettschneider, Sascha Langbehn und Julia Patjens zeigt, wie radikale Weltbilder entstehen und welche Rolle das persönliche Umfeld dabei spielt. Zugleich wirft sie Fragen auf: Wie lassen sich junge Menschen erreichen? Und wann wird aus Ausgrenzung eine Gefahr für andere?

Der 9. November erinnert an die nationalsozialistischen Pogrome von 1938. In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört, Menschen misshandelt und ermordet. Zehntausende jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die Pogrome markierten eine weitere Eskalation der Verfolgung, die im Holocaust mündete.

Gedenken und Mahnung zugleich

Das Gedenken gilt den Opfern und dem ihnen angetanen Unrecht. Es mahnt zugleich, wohin Menschenverachtung führen kann, wenn sie gesellschaftlich Fuß fasst, Widerspruch ausbleibt und staatliche Macht zur Verfolgung von Minderheiten eingesetzt wird.
Mit dem Projekt und dem Kurzfilm „Prolog der Finsternis“ hat Degenhardt seine Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus bereits an Schulen in Deutschland und Österreich getragen. Nach seinen Angaben wurden damit rund 2500 Schülerinnen und Schüler erreicht. Der Film feierte 2025 bei den Internationalen Hofer Filmtagen seine Deutschlandpremiere. Der Roman erschien am 19. Oktober 2026; zeitgleich wurde die szenische Lesung erstmals in Hof aufgeführt.

Zur Auseinandersetzung anregen

Auch in Hemmoor soll die Veranstaltung zur Auseinandersetzung anregen – über Vorurteile, die Wirkung extremistischer Aussagen und die Frage, wie sich die Würde jedes Menschen schützen lässt. Im Anschluss an die Lesung besteht Gelegenheit zum Austausch.

Auf einen Blick

Montag, 9. November 2026

  • 19 Uhr, Gedenkandacht mit Pastorin Martina Wüstefeld
  • 19.30 Uhr, szenische Lesung „ICH, die Finsternis!“ in der Kapelle an der St.-Michaelis-Kirche, Hemmoor-Basbeck.
    Mit Bengta Brettschneider, Sascha Langbehn und Julia Patjens.
  • Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.