Kirche im Wandel: Bei den Menschen bleiben und Zukunft gestalten

Nachricht Kirchenkreis, 09. Juni 2026

„Kirche ist dort stark, wo sie nahe bei den Menschen bleibt“ – mit diesem Gedanken hat Superintendentin Kerstin Tiemann ihren Ephoralbericht vor der Kirchenkreissynode überschrieben – und damit eine Haltung untermauert, die sich durch alle Themen des Jahres zieht.

Vor allem ein Bericht über Menschen, die bleiben

Es ist ein Bericht über Veränderungen, der da in Cadenberge zu hören ist. Ein Bericht über Zahlen, die zurückgehen. Über Strukturen, die sich bewegen. Aber vor allem ist es ein Bericht über Menschen, die bleiben: in der Kirche, in der Verantwortung füreinander, im Engagement für andere.

Zahl der Kirchenaustritte nahezu halbiert

Zwar ist die Zahl der Kirchenmitglieder im Kirchenkreis innerhalb eines Jahres um rund 680 Personen gesunken, sagt Tiemann, Und auch Taufen und kirchliche Trauungen gingen zurück. Gleichzeitig zeige sich aber auch: Die Zahl der Kirchenaustritte hat sich nahezu halbiert, und die kirchlichen Bestattungen sind gestiegen. „Kirche bleibt damit besonders dort gefragt, wo Menschen Abschied nehmen müssen oder Halt suchen.“

"Kein Zeichen finanziellen Überfllusses"

Tiemann warnte davor, steigende Kirchensteuereinnahmen als Entspannung der finanziellen Lage zu deuten. Zwar profitiere die Kirche von höheren Einkommen, zugleich stiegen Personal- und Sachkosten deutlich. „Die momentanen Mehreinnahmen sind kein Zeichen finanziellen Überflusses, sondern eher Ausdruck einer Übergangsphase, in der steigende Einkommen die strukturellen Verluste zeitweise noch überdecken“, sagte die leitende Geistliche. Ein sorgfältiger Umgang mit den vorhandenen Mitteln zähle daher auch weiterhin.

Doch der Blick der Superintendentin blieb nicht bei den Zahlen stehen. Immer wieder ging es ihr um die Frage, wo Kirche heute eigentlich spürbar wird. Und die Antwort darauf fällt sehr konkret aus: in der Begleitung von Menschen in Krisen, in der Seelsorge, in der Hospizarbeit, in der Diakonie – überall dort, wo Menschen nicht allein gelassen werden wollen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt für die Superintendentin auf dem Ehrenamt. Viele kirchliche Angebote im Kirchenkreis werden von Menschen getragen, die Zeit, Kraft und Herz investieren: in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Kirchenmusik, in Besuchsdiensten oder der Telefonseelsorge. „Die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht allein an Gebäuden oder Haushalten, sondern an der Bereitschaft von Menschen, Verantwortung füreinander zu übernehmen“, betonte Tiemann.

Demokratie, Menschenwürde und Zusammenhalt 

Auch in gesellschaftlichen Fragen hat der Kirchenkreis in der Öffentlichkeit deutlich Stellung bezogen – etwa zu Demokratie, Menschenwürde und Zusammenhalt. Kirche wird dort sichtbar, wo sie nicht nur über sich selbst spricht, sondern Verantwortung für das Miteinander übernimmt.

Neue Formen kirchlichen Lebens gestaltet

Dass Veränderung längst Realität ist, zeigt sich auch in den Strukturen: Mit der Fusion der Gemeinden Basbeck, Osten und Warstade zur Kirchengemeinde An der Oste sowie weiteren Zukunftsprozessen in Cuxhaven gestaltet der Kirchenkreis aktiv neue Formen kirchlichen Lebens.

Ein offener Blick in die Zukunft gerichtet

Am Ende steht bei Tiemann kein Rückblick, sondern ein offener Blick nach vorn – geprägt von Vertrauen und Zuversicht: „Kirche müsse sich verändern, um auch künftig ein Ort von Glauben, Gemeinschaft und Hoffnung zu bleiben – nah bei den Menschen und offen für neue Wege.“

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Bericht aus den Ausschüssen

Neben dem Bericht von Superintendentin Tiemann befasste sich die Kirchenkreissynode auch mit Rückmeldungen aus dem Bauausschuss sowie dem Struktur- und Stellenplanungsausschuss. Beide machten deutlich, dass der Kirchenkreis in einem umfassenden Veränderungsprozess steht.

Pastor Detlef Kipf verwies in Stellvertretung für den Bausschuss-Vorsitzenden Dirk Baack auf die zunehmende Herausforderung, kirchliche Gebäude mit begrenzten finanziellen Mitteln zu erhalten. Da nicht alle notwendigen Sanierungen umgesetzt werden könnten, müssten künftig verstärkt Prioritäten gesetzt werden. Damit rückt die Frage in den Blick, wie der bereits verabschiedete Gebäudebedarfsplan des Kirchenkreises umgesetzt wird.

Für den Struktur- und Stellenplanungsausschuss stellte Vorsitzender Pastor Tileman Wiarda die künftige Entwicklung der Personalstruktur in den Mittelpunkt. Erwartet werde ein weiterer Rückgang der Pfarrstellen, weshalb regionale Zusammenarbeit und neue Formen gemeinsamer Gemeindearbeit an Bedeutung gewinnen.

Nicht zuletzt gab es personelle Veränderungen in den Gremien der Synode: Für den zurückgetretenen Helmut Weermann wurde Anja Hampel aus Neuhaus (Oste) in den Kirchenkreisvorstand gewählt. In den Verbandsvorstand rückt für die verstorbene Alexandra Marx nach einstimmigem Votum Ute Mushardt nach. Den Vorsitz Weermanns im Finanzausschuss übernimmt Pastor Matthias Hövelmann.