Einander sehen – voneinander lernen – gemeinsam weitergehen

Nachricht Sloka/Kirchenkreis, 01. Oktober 2026

Eine gewachsene Partnerschaft lebt von Begegnungen. Sie bleibt lebendig, wenn Menschen einander besuchen, miteinander feiern, voneinander lernen und neue Wege suchen. Genau das wurde bei der jüngsten Reise des Kirchenkreises Cuxhaven-Hadeln zur lettischen Partnergemeinde Sloka in Jūrmala spürbar. Der Anlass war gleich doppelter Natur: das 30-jährige Bestehen der Kirchenpartnerschaft und das 115-jährige Jubiläum der Walcker-Orgel in der Kirche von Sloka.

Mehrere Orgeln in den Kirchen besichtigt

Die „Vorhut“ bildeten Prädikantin Susanne Trebbin und Kreiskantor Christian Müller. Dieser nutzte gern die Gelegenheit, mehrere Orgeln in den Kirchen von Dubulti, Salas, Piņķi und Sloka kennenzulernen, zu begutachten und anzuspielen. Auch die große Orgel im Rigaer Dom erklang bei einem Mittagskonzert.

Reisegruppe erst mit Verzögerung komplett

Nach einer Flugverspätung traf später auch die restliche Gruppe aus dem Kirchenkreis ein: Superintendentin Kerstin Tiemann, Pastor Tileman Wiarda, Bernd und Ulrike Brauer aus Hemmoor sowie die Jugendlichen Erik, Jonas, Jette und Isabelle. Sie waren eigens mitgekommen, um gemeinsam neue Wege für die Fortführung der Partnerschaft auszuloten.

Aus anfänglicher Verbindung wurde Freundschaft 

„30 Jahre Partnerschaft bedeuten 30 Jahre Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Lernen", erklären Susanne Trebbin und Tileman Wiarda unisono. "Aus einer anfänglichen Verbindung ist eine Freundschaft auf Augenhöhe gewachsen – und wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen."

Ein Höhepunkt war das Jubiläumskonzert am Samstag, 12. September 2026, in der Kirche von Sloka. Auf der 115 Jahre alten Walcker-Orgel präsentierte Christian Müller mit gekonntem Spiel ein Programm, das die musikalische Geschichte des Instruments lebendig werden ließ und die zahlreichen Zuhörer begeisterte.

Empfang im Gemeindehaus

Anschließend kamen Gäste und Mitglieder der Partnergemeinde im Gemeindehaus Brīnums zusammen. Alte Kontakte wurden aufgefrischt, neue geknüpft und natürlich auch Geschenke überreicht. Eines davon war die Flagge des Kirchenkreises zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft. Pastor Aivars Gusevs freute sich sichtlich, er hatte sogleich eine Idee, wo das Präsent in der Gemeinde künftig zu sehen sein soll.

Pastor Gusevs übersetzte Tiemann-Predigt

Am folgenden Sonntag stand die Partnerschaft im Mittelpunkt der Feier. In der Kirche von Sloka wechselten sich Deutsch und Lettisch munter ab. Superintendentin Kerstin Tiemann hielt die Predigt, Pastor Aivars Gusevs übersetzte flink.

"Frau wird zu einem wertvollen Gegenüber auf Augenhöhe"

Kerstin Tiemann richtete den Blick auf die Schöpfungsgeschichte und ein hebräisches Verständnis von Beziehung: Demnach werde die Frau keineswegs als Hilfskraft des Mannes beschrieben, sondern als sein Gegenüber – "als ein naher Mensch an seiner Seite". Dadurch werde sie ihm zu einem wertvollen Gegenüber auf Augenhöhe.

Gerade darin liege etwas Kostbares: Ein anderer Mensch könne etwas zeigen, was man aus der eigenen Perspektive nicht sehe, unterstrich die Superintendentin. Er könne bestätigen, aber auch irritieren, bringe eigene Erfahrungen mit und lasse dadurch die eigene Sicht überprüfen.

Was siehst du, was ich nicht sehe?

Was für zwei Menschen gilt, lässt sich nach Tiemanns Worten auch auf die Verbindung zwischen Kirchen und Ländern übertragen. Sie beginnt nicht damit, dem anderen möglichst schnell zu erklären, wie die Dinge aus der eigenen Sicht aussehen. Sie beginnt mit dem Zuhören: Was siehst du, was ich nicht sehe? Was hat dich und dein Land geprägt? Was gibt dir Hoffnung, und was macht dir Sorge?

"Nicht einfach nur die Formen übergeben"

Gerade für Begegnungen zwischen jüngeren Menschen liege darin eine große Chance. Die ältere Generation müsse ihnen nicht einfach nur die Formen übergeben, die für sie selbst richtig gewesen seien. Vielmehr könne sie dem Nachwuchs reichlich Raum geben, selbst herauszufinden, was sie miteinander verbindet und was sie voneinander wissen möchten.

Verschiedene kulturelle Erfahrungen wurden zur Brücke

Der zweisprachige Gottesdienst machte diesen Gedanken unmittelbar erfahrbar. Verschiedene Sprachen und kulturelle Erfahrungen wurden nicht zum Hindernis, sondern zur Brücke. Zuhören, Übersetzen und Verstehen wurden selbst zu einem Stück gelebter Partnerschaft.

Anschließend lud die Gemeinde erneut ins Gemeindehaus Brīnums ein. Dort wartete ein festliches Mittagessen, das über viele Stunden liebevoll vorbereitet worden war. Selbstgebackener Früchtekringel und herzhafte lettische Spezialitäten unterstrichen die große Gastfreundschaft und erfreuten die Gaumen der Gäste.

Stadtführung durch Riga und Spaziergänge am Strand

Während des Aufenthalts führte Pastor Aivars Gusevs seine Besucher außerdem durch Riga. Spaziergänge am Strand und Besuche verschiedener Orte der Ostseeregion vermittelten einen authentischen Eindruck von der Landschaft und dem Umfeld, in dem die lettische Partnergemeinde segensvoll wirkt.

Es gibt bereits Pläne für die nächste Begegnung

Dass die Kirchenpartnerschaft nach 30 Jahren nicht nur fortbestehen, sondern weiter mit Leben gefüllt werden soll, stand für alle Beteiligten außer Frage. Bereits im kommenden Jahr wird der Chor aus Sloka beim Kirchentag in Düsseldorf zu Gast sein und anschließend den Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln besuchen. Für 2028 ist außerdem ein gemeinsames Chorprojekt geplant. Wer mitsingen möchte, kann sich schon jetzt bei Kreiskantor Müller, Prädikantin Trebbin oder Pastor Wiarda informieren.

Jugendliche wollen Kanutour unternehmen

Auch die jüngere Generation soll künftig stärker einbezogen werden. Gemeinsam mit den Jugendlichen entstand die Idee für eine internationale, mehrtägige Kanutour über lettische Flüsse im Jahr 2028. Erste Überlegungen dazu werden nun konkretisiert.

Große Freude über die Entwicklung der Partnerschaft

„Wir freuen uns, dass die Partnerschaft nicht bei einem Rückblick auf 30 Jahre stehen bleibt. Mit dem Chorprojekt und den geplanten Jugendbegegnungen entstehen bereits neue Perspektiven“, erklären Susanne Trebbin und Tileman Wiarda. Und zwar auf Augenhöhe. 

Prädikantin Susanne Trebbin und Pastor Tileman Wiarda