Notfallseelsorge auf dem Deichbrand: Begegnungen, die nachklingen

Nachricht Kirchenkreis, Wanhöden, 18. Juli 2026

Wenn auf dem Deichbrand-Festival in Wanhöden mehr als 60.000 Menschen zusammenkommen, Bässe über das Gelände rollen und Tag und Nacht ineinanderfließen, dann ist sie mittendrin: die Notfallseelsorge.

Aufmerksam bleiben und zuhören

Sie gehört seit Jahren zum Sicherheitskonzept des Festivals, getragen von einer vertrauensvollen Kooperation mit Feuerwehren und Hilfsdiensten. Vor allem aber hat sie ein Gesicht: Menschen, darunter Mitarbeitende aus dem Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln, die sich Zeit nehmen, aufmerksam bleiben, zuhören und genau dann da sind, wenn jemand sie braucht.

Manfred Lea organisiert und koordiniert

Verantwortet wird der besondere Einsatz von Manfred Lea, Pastor i.R. aus Hemmoor. Er hat – wie schon seit 2012 – die Organisation und Leitung der Notfallseelsorgekräfte inne. Sein erstes Fazit am Samstagabend fällt in enger Abstimmung mit Feuerwehr und Hilfsdiensten erfreulich aus: „Es ist ein  ruhiges und friedliches Festival. Wir sind sehr zufrieden.“

Ein erfahrenes und engagiertes Team

Im Verlauf der Festivaltage sind insgesamt rund 20 Mitarbeitende aus den Evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen Cuxhaven-Hadeln, Wesermünde und Bremerhaven im Einsatz. Rund um Manfred Lea ist ein erfahrenes und engagiertes Team vor Ort. Dazu gehören unter anderem Pastor Erik Neumann aus Altenbruch, Pastorin Sabine Badorrek aus Groden, Pastorin Astrid Friedrichs aus Lüdingworth, Detlef Dormeyer, Diakon im Ruhestand, der lange in Osten tätig war, sowie Johannes Drechsler aus Hemmoor, Pfarrverwalter in Ausbildung.

Lange Stunden, tragende Begegnungen

Von Donnerstagmorgen bis zum Abend beispielsweise waren Sabine Badorrek und Detlef Dormeyer im Dienst, die Nachtschicht bis zum frühen Freitagmorgen übernahmen dann Astrid Friedrichs und Johannes Drechsler. „Die Stunden sind lang, aber die Begegnungen tragen“, sagt eine der Beteiligten. Unterstützt wird das aufmerksame Team von weiteren engagierten Kräften aus der Region. Man arbeitet Hand in Hand.

"Oft reicht es einfach, da zu sein"

Und immer wieder gibt es sie, die stilleren Momente zwischen zwei Konzerten, die Gespräche am Rand, die kurzen Begegnungen mitten in der Nacht. „Oft reicht es, einfach da zu sein“, beschreibt ein Seelsorger seine Erfahrung. Ein ruhiges Wort, ein Platz zum Durchatmen, ein Gegenüber, das zuhört. Und manchmal ist genau das entscheidend.

Persönliche Themen sind immer dabei

„Gut, dass ihr hier seid“ - dieser Satz fällt oft. Denn zwischen Euphorie, Erschöpfung und all den Eindrücken sind auch persönliche Themen nie weit weg. Die Präsenz der Notfallseelsorge wird wahrgenommen – als verlässliche, unaufdringliche Form von Kirche mitten im Leben.

"Das ist für mich Kirche"

So erzählt eine Krankenpflegerin aus Osnabrück von ihrem eigenen Zugang: „Mit Kirche im klassischen Sinn verbinde ich wenig. Früher war ich Messdienerin.“ Und doch nimmt sie sich jedes Jahr Zeit für eine Messdienerfreizeit, hilft in der Küche und gestaltet Gemeinschaft mit. „Das ist für mich Kirche.“ Der Gottesdienst dort sei ihre einzige „Messe“ im Jahr, „aber diese Gemeinschaft bedeutet mir sehr viel.“

Immer schön locker bleiben: Johannes Drechsler (zweiter von links), Pfarrverwalter in Ausbildung und erstmals beim Deichbrand im Einsatz, sowie Pastorin Astrid Friedrichs (zweite von rechts) lassen sich auch schon mal mit Fans ablichten.

Von Plänen und Perspektiven

Auch viele junge Menschen suchen das Gespräch. Sie berichten von ihrem Studium, von Plänen und Perspektiven – und werden dabei sehr klar: „Wir brauchen euch. Wenn es mal drunter und drüber geht, ist es gut zu wissen, dass ihr da seid", sagen viele übereinstimmend, ohne ihren Namen veröffentlicht wissen zu wollen.

Seelsorgende halten selbst inne

Nach einer Nacht im Dienst bleiben Müdigkeit und eine Fülle an Eindrücken. Zwischen Gesprächen und Einsätzen gibt es dann  Augenblicke, in denen die Seelsorgenden selbst kurz innehalten, einen Blick auf die gewaltigen Bühnen werfen und neue Stimmen hören. Musik, die verbindet – über all das hinweg, was Menschen mitbringen.

Mehr als eine Großveranstaltung

So wird deutlich: Das Deichbrand in Wanhöden ist mehr als eine Großveranstaltung. Es ist ein Ort voller Geschichten – von Freude, von Begegnung, manchmal auch von Belastendem. Mittedrin ist das Team der  Notfallseelsorge. Mittendrin ist Kirche. Unaufdringlich, aufmerksam, ansprechbar, mittendrin. Oder, wie es eine Festivalbesucherin sagt: „Einfach gut, dass da jemand ist.“

Johannes Drechsler, Pfarrverwalter i.A., und Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln