Das Uhrwerk aus dem Jahr 1900 ist kein technisches Schaustück, das nur noch zu besonderen Gelegenheiten bestaunt werden kann. Die feingliedrige Konstruktion funktioniert bis heute – ohne jede Elektronik.
Zweimal in der Woche muss das wuchtige Uhrwerk von Hand aufgezogen werden. Dann sorgt die Mechanik dafür, dass die Zeiger ihren Weg über das Zifferblatt fortsetzen – Minute für Minute, Stunde um Stunde. Tag für Tag.
Uhrwerk wird über das Pendel angehalten
Auch die Umstellung auf die mitteleuropäische Normalzeit verlangt Handarbeit. Dafür wird das Uhrwerk über das Pendel angehalten. Nach einer Stunde wird es wieder in Gang gesetzt. Anschließend justiert Friederich die genaue Uhrzeit von Hand an der Zeitscheibe des Gehwerks. Was bei modernen Uhren automatisch geschieht, verlangt hier Wissen um das Zusammenspiel der Teile und ein Gespür für die Technik.
Seit 126 Jahren unermüdlich im Dienst
Besonders anschaulich sind die Zähne am sogenannten Ankerrad, die gemeinsam mit dem Pendel den Takt des Uhrwerks bestimmen. „Die Zähne der Zeit“ nennt Friederich sie scherzhaft. Ein schönes Bild für eine Mechanik, die seit 126 Jahren ihren Dienst versieht – und die nur weiterläuft, weil jemand sich um sie kümmert.
Eine "geschenkte" Stunde auch für St. Nicolai
Als der Sonntagmorgen übers Cadenberger Land kommt, ist die Uhrzeit richtig eingestellt. Eine Stunde haben auch die Menschen in St. Nicolai durch die Umstellung "gewonnen". Hinter dieser geschenkten Stunde allerdings steckt noch ein wenig mehr: ein alter Turm, ein historisches Uhrwerk und ein pensionierter Ingenieur, der auch im Ruhestand die Zahnräder nicht stillstehen lässt.
Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln