Was 3,6 Kilometer Fußbodenheizung mit frischem Estrich zu tun haben

Nachricht Hemmoor, 06. September 2026

Noch ist der Beton nackt. Doch schon jetzt lässt sich erahnen, was später einmal für Wärme sorgen soll: In langen Bahnen schlängelt sich die Fußbodenheizung durch die Räume, quert Flure und nimmt schließlich Kurs auf den künftigen Veranstaltungssaal. 3,6 Kilometer Leitung sind dafür im Erd- und Obergeschoss verlegt worden. Dort, wo künftig Pastoren, Popkantor, Verwaltungskräfte und Jugendliche arbeiten, sich treffen und in aller Ruhe miteinander reden, herrscht munteres Baustellen-Gewusel.

Ostereier zur Eröffnung – der Zeitrahmen ist fest

Das neue Domizil der Kirchengemeinde An der Oste mit ihren insgesamt rund 5500 Gemeindegliedern nimmt Woche für Woche mehr Gestalt an. Im Frühjahr kommenden Jahres, um Ostern herum, ist die Eröffnung geplant. Wenn alles so gut vorangeht wie bisher.

Draußen vor der Tür dröhnt die Estrichmaschine. Unüberhörbar scheppert sie übers Gelände an der Otto-Peschel-Straße in Hemmoor. Kayne Krethe hat sich vorsichtshalber die Kopfhörer über das schwarze Haar gezogen. Eine Schubkarre Sand nach der anderen schiebt der Mitarbeiter der Firma Flösser aus Bremervörde heran. Und er muss sich dabei tüchtig beeilen. Nicht nur, weil der Zeitplan für die Eröffnung eingehalten werden soll. Auch sein Vater wartet auf Nachschub.

In den ersten Räumen liegt der Estrich bereits

Andree Krethe hat im Obergeschoss damit begonnen, den Estrich zu verlegen. Die ersten Räume sind bereits fertig. Der stämmige Mann ist schweißgebadet. „Es läuft“, sagt er, als Bjørn-Arne Klaehn an diesem Morgen seine Runde durch den Neubau dreht.

Klaehn ist Geschäftsführer des Projekts und als Gemeindemanager in kirchlichen Diensten einer derjenigen, die den Überblick über das entstehende Gemeindezentrum behalten. Sein Blick wandert durch die Räume, über Leitungen, Estrich und Wände. „Den Kostenrahmen werden wir wohl einhalten“, sagt der 47-Jährige zufrieden.

Die schwere Masse braucht Zeit

Rund 1,9 Millionen Euro kostet das gesamte Vorhaben voraussichtlich – inklusive Grunderwerb, Hausanschlüssen, Baunebenkosten und der erwarteten Baukostensteigerung. Die Ausstattung mit Küche und Büros ist darin noch nicht enthalten.
Bis zur Eröffnung ist es also noch ein gutes Stück Weg. Und der will mit Bedacht gegangen werden. Wenn der Estrich auf den insgesamt rund 450 Quadratmetern Nutzfläche voraussichtlich Anfang bis Mitte dieser Woche vollständig verlegt sein wird, bekommt die schwere Masse zunächst Zeit, zur Ruhe zu kommen. Circa 21 Tage lang.

Die Fußbodenheizung muss ran

Auch die Fußbodenheizung hat dabei ihren Auftritt. Langsam wird man sie hochfahren, in Fünf-Grad-Schritten bis auf etwa 40 Grad – und anschließend ebenso behutsam wieder herunterfahren. Dabei darf der Estrich durchaus Risse bekommen. "Sie sind in dieser Phase kein Grund zur Sorge“, erklärt Klaehn, „sie können anschließend mit Harz wieder verschlossen werden.“

Hohe Folgekosten sollen verhindert werden

Das kontrollierte Aufheizen und anschließende Abkühlen der Fußbodenheizung soll verhindern, dass Spannungen und Rissbildungen erst dann auftreten, wenn der Bodenbelag bereits verlegt ist. „Wenn Vinyl und Co. bereits liegen und dann Risse entstehen, übertragen sich diese auf den Bodenbelag“, sagt Klaehn und spricht von hohen Folgekosten.

Erst nachdem diese Geduldsprobe bestanden ist, geht es weiter. Elektriker erledigen die letzten Arbeiten, die Räume bekommen ihren Feinschliff, anschließend wird gespachtelt und gestrichen. Im Herbst schließlich ist der Boden an der Reihe: Vinyl in Holzoptik, strapazierfähig und wohnlich.
Klaehn blickt ins Treppenhaus. Dort kämpft sich Kayne Krethe gerade wieder nach oben. Der junge Facharbeiter eilt seinem Vater zu Hilfe. Der kann ja nicht alles alleine machen. Mit flinker Hand und PS-starker Maschine glättet der junge Mann den Estrich, soweit er liegt. Der Flügelglätter surrt – wie so oft – beharrlich vor sich hin.

Gefalzte Bleche sorgen für aufgelockerte Optik

Auch vor dem Gebäude hat sich das Bild verändert. Die Fassade ist bereits verklinkert und verfugt. Und dort, wo derzeit noch Holzverschalungen zu sehen sind, sollen gefalzte Bleche demnächst für eine aufgelockerte Optik sorgen.
Und die Sonne bekommt ebenfalls ihren Platz auf dem neuen Gemeindezentrum. Anfang übernächster Woche kommen 54 Module einer großen Photovoltaikanlage aufs Dach. Sie fangen künftig Sonnenlicht ein und liefern einen Teil der Energie, die im Haus gebraucht wird. Nachhaltigkeit gehört ebenso zum Konzept wie die Holzrahmenbauweise, in der das Gebäude errichtet ist.

Vorfreude auf das, was da noch kommt

„Ich freue mich, dass es so gut vorangeht“, sagt Bjørn-Arne Klaehn. Und er freut sich auch schon auf das, was danach kommt: auf die zahlreichen Gruppen, auf Gespräche und Begegnungen, auf Musik und Ideen. Sie alle werden das neue Gemeindezentrum mit Leben füllen und zu einem Treffpunkt machen.

Die Kopfhörer sitzen wieder auf den Ohren

Unten vor dem Gebäude ist Kayne Krethe inzwischen wieder angekommen. Die Kopfhörer sitzen auf den Ohren, die nächste Ladung Sand wartet. Er greift nach der Schubkarre und legt los. Und wieder dröhnt die Estrichmaschine übers Gelände an der Otto-Peschel-Straße.

Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln

Wieder unten angelangt: Kayne Krethe "füttert" die Estrichmaschine, damit die Böden im künftigen Gemeindezentrum bald fertiggestellt werden können.

Drei Vergleiche zum Staunen und Schmunzeln

3,6 Kilometer Fußbodenheizung – das klingt zunächst einmal nach einer ziemlich trockenen technischen Zahl. Tatsächlich steckt darin aber eine erstaunliche Menge Schlauch. Wie viel das ist, lässt sich am besten mit ein paar Vergleichen zeigen.

  • Zum Mitlaufen: neun Stadionrunden

Wer die gesamte Strecke zu Fuß zurücklegen wollte, der müsste schon ein wenig Kondition mitbringen: 3,6 Kilometer entsprechen genau neun Runden auf einer klassischen 400-Meter-Laufbahn. Die komplette Fußbodenheizung einmal abzulaufen, wäre also durchaus ein kleines Sportprogramm. Zum Glück liegt sie bereits bequem unter dem Fußboden.

  • Zum Staunen: höher als die Zugspitze

Noch beeindruckender wird die Zahl, wenn man sie gedanklich in die Höhe wachsen lässt. Würde man die 3,6 Kilometer Fußbodenheizung senkrecht aufstellen, wäre die Konstruktion sogar höher als die Zugspitze. Deutschlands höchster Berg misst 2.962 Meter – die Fußbodenheizung hätte also noch rund 640 Meter Luft nach oben.

  • Zum Schmunzeln: fast elf Eiffeltürme

Und für alle, die lieber in berühmten Bauwerken rechnen: Rund elf Eiffeltürme müsste man übereinanderstellen, um auf 3,6 Kilometer zu kommen. Der Pariser Eiffelturm ist derzeit 330 Meter hoch. Beim Gemeindehaus hat man sich allerdings für die deutlich praktischere Variante entschieden: Die fast elf Eiffeltürme liegen nicht übereinander, sondern schlängeln sich – gut versteckt – unter den Füßen der künftigen Nutzerinnen und Nutzer.