Seit Jahresbeginn sind die Kirchengemeinden Basbeck, Osten und Warstade zur neuen „Kirchengemeinde An der Oste“ zusammengeschlossen. Diakon Johannes Drechsler und Pastorin Martina Wüstefeld erläutern im Gespräch die Hintergründe, Ziele und Hoffnungen, die mit dieser Fusion verbunden sind.
Warum ist die Fusion notwendig geworden?
Johannes Drechsler: Kirche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Sinkende Mitgliederzahlen, Kirchenaustritte und weniger Pfarrstellen zwingen uns, neue Wege zu gehen. Die Fusion ist kein Selbstzweck, sondern der Versuch, Kräfte zu bündeln und als Kirche handlungsfähig zu bleiben.
Martina Wüstefeld: Auch die Zahl der Pastorinnen und Pastoren nimmt ab. Um weiterhin ein gutes seelsorgliches und gemeindliches Angebot machen zu können, war es notwendig, Ressourcen zusammenzuführen.
Welche Ziele verbinden Sie mit dem Zusammenschluss?
Drechsler: Wir wollen den Auftrag Jesu Christi unter neuen Bedingungen lebendig halten – Glauben teilen, Menschen begleiten und für die Region da sein. Weniger Mangel verwalten, mehr Gemeinschaft gestalten.
Wüstefeld: Die Zusammenarbeit der drei Kirchenvorstände zeigt, wie viel Kompetenz zusammenkommt. Die Aufgaben verteilen sich auf mehrere Schultern, die Vielfalt stärkt das neue Gemeindeleben.
Was ändert sich für die Gemeindeglieder?
Drechsler: Zunächst vor allem organisatorisch: neue Zuständigkeiten, gemeinsame Gremien, vielleicht andere Gottesdienstzeiten oder -orte. Wichtig ist mir: Niemand verliert „seine“ Kirche – wir denken Kirche künftig gemeinsam.
Wüstefeld: Spürbar war bereits das gemeinsame Gemeindebüro in Hemmoor. Auch der Bau des neuen Gemeindezentrums hat bei manchen Verunsicherung ausgelöst. Viele Menschen sind stark mit ihrer bisherigen Gemeinde verbunden – das nehmen wir ernst.
Wie bleibt Nähe trotz größerer Strukturen erhalten?
Drechsler: Nähe entsteht nicht durch Strukturen, sondern durch Menschen. Seelsorge gelingt dort, wo Beziehungen gepflegt werden – mit klaren Ansprechpersonen und starken ehrenamtlichen Netzwerken.
Wüstefeld: Zuhören, da sein und Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen – darauf kommt es an. Kirche lebt schließlich auch davon, dass viele mitgestalten.
Was soll bewahrt werden – und was kann gemeinsam wachsen?
Drechsler: Jede Gemeinde bringt ihren eigenen Klang und ihre Geschichte mit. Diese Vielfalt ist ein Schatz. Traditionen sollen bleiben dürfen, gleichzeitig kann Neues gemeinsam entstehen.
Wüstefeld: Die drei Kirchen bleiben Heimatorte für besondere Gottesdienste. Zugleich wünsche ich mir Angebote ohne Ortslabel: gemeinsame Feste, neue Aktivitäten im künftigen Gemeindezentrum, Raum für Begegnung und Glauben.
Was ist Ihre größte Hoffnung für die neue Kirchengemeinde?
Drechsler: Dass wir nicht aus Angst vor Verlust handeln, sondern aus Vertrauen auf Gottes Zukunft. Dass Menschen sagen: Diese Kirche ist da. Sie hört zu. Sie geht mit uns.
Wüstefeld: Ich hoffe, dass sich Grenzen in den Köpfen nach und nach auflösen. Wenn wir Ängste ernst nehmen und im Gespräch bleiben, kann eine lebendige Gemeinde wachsen. Kirche bauen wir nicht selbst – Gott tut es.
Andreas Schoener, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln